Wien - Die europäischen Finanzmärkte werden im zweiten Quartal und im Gesamtjahr 2002 erfolgreicher sein als jene der USA oder Japans, prognostiziert die Erste Bank. Europäische Anleihen sollten von der robusteren Konjunktur, späteren Zinserhöhungen und einer leichten Befestigung des Euro profitieren. Europäische Aktien wiederum dürften vom kräftigeren Unternehmens-Gewinnwachstum, der hohen Bewertung der US-Aktien und den guten Aussichten für Zykliker begünstigt werden, meinte Erste Bank Chef-Analyst Friedrich Mostböck am Montag bei der Vorstellung des aktuellen internationalen Finanzmarktausblickes. Ebenfalls günstig wird das Umfeld für osteuropäischen Aktienmärkte und hochrentierliche Bonds eingeschätzt. Auch die Wiener Börse sollte - nach einer Fülle von getroffenen Maßnahmen - als erfolgreicher Nischenplayer mit der internationalen Entwicklung mithalten können, meinte Mostböck. US-Markt: Zehn bis zwölf Prozent Potenzial Gemessen am S&P 500 schätzt Sikora das Potenzial des US-Aktienmarktes für 2002 auf 10 bis 12 Prozent ein. Etwas besser sollte aber die Aktienmärkte der Euroländer abschneiden: 15 bis 18 Prozent lautet hier seine Prognose für den Euro Stoxx. Vor allem die Gewinne der europäischen Unternehmen sollten sich heuer mit einem Plus von 25 Prozent deutlich stärker von den Vorjahresverlusten erholen können als jene der US-Firmen, für die ein Gewinnwachstum von 13 Prozent prognostiziert wird. Die "große" Erholung bei den Unternehmensgewinnen sieht der Erste Bank-Experte aber in beiden Fällen erst für das kommende Jahr 2003 voraus. Auch beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) schneiden die europäischen Unternehmen günstiger ab. Während das Bewertungsniveau in den USA trotz der jüngsten Kurskorrekturen nach wie vor deutlich über dem historischen Durchschnitt liege, liege es in Europa nahe dem langjährigen Durchschnittswert. "Das lässt uns für Europa positiver eingestellt sein, als für die USA", sagte Sikora. Vorerst bleibe die Unsicherheit in den USA bestehen, eine Kursbelebung sei erst für das Ende des zweiten Quartales zu erwarten. Japan werde dagegen weiter auf der Stelle treten. Finanzen und zyklischer Konsum empfohlen Die erfolgversprechendsten Sektoren im zweiten Quartal sind laut Erste Bank der Finanzsektor und der Bereich zyklischer Konsum. Industriewerte und nichtzyklische Konsumtitel werden ebenfalls positiv gesehen. Anhaltend schlecht bewertet und somit das Schlusslicht bilden Telekommunikations- und Technologie-Unternehmen, gefolgt von Energie-, Versorgungs- und Basisindustrie-Unternehmen. Zu den wesentlichen strategischen Aktienempfehlungen zählen in den USA Abbott Laboratories, Cisco, Citigroup, Intel, Johnson&Johnson und Oracle. In Europa werden Adidas Salomon, Nokia, Infineon, Porsche, Allianz, Banco Santander und Logitech favorisiert. In Asien stehen Ricoh, Keyence, Takeda Chemical, KT, Hyundai Motor und Samsung auf der Empfehlungsliste. (APA)