Seit er sein Büchel mit blöden Witzen über Jesus auf den Markt gebracht hat, kann sich Günther Nenning nicht mehr aus den Klauen seines religiösen Wahns erretten. Die fixe Idee, Dichand geben zu müssen, was eventuell Gottes ist, weil man im kleinformatigen Diesseits damit einfach besser fährt, findet immer öfter ihren Niederschlag in der egomanen Anstrengung, den Senf der frommen Denkart gnadenlos über die Schäflein zu verspritzen. So bekannte er vorige Woche: Ich kenne den Bischof Laun als einen lustigen Menschen. Das tun dank des Fernsehens und eines dunklen bischöflichen Dranges dahin inzwischen viele Menschen. Und in der Tat: Kaum jemand hat lustigere Vorstellungen etwa von homosexuellen Menschen in die Wohnzimmer dieses Landes transportiert als der klerikale Experte.

Mit seinem "Über Gott lacht man nicht!" lieferte er Nenning nur einen Vorwand, für Gotteslästerer annähernd dieselbe Behandlung vorzuschlagen, wie er für die Homosexuellen: Nicht gerade vor die Inquisition - aber mies sollen sie sich schon vorkommen. Ich bin für die Freiheit der Meinung, Freiheit der Kunst, sogar für Freiheit des Kitsches und des Schundes (schon aus gesundem Selbsterhaltungstrieb). Da soll keiner dafür eingesperrt oder auf dem Scheiterhaufen gebraten werden. Der nötige Prozess gegen Gottesverlacher und Gotteslästerer findet anderswo statt, nicht vor dem Kadi. Sondern im Herzen des Gotteslästerers selber. Der Gotteslästerer soll Prozess gegen sich selber führen. Man weiß nicht, was dabei herauskommt, es ist ein Prozess unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

So hat sich das Kardinal Schönborn wohl kaum vorgestellt, als er an die Öffentlichkeit ging, aber da wird Nenning schier zum Freigeist: Ich spanne ja meine Vorliebe für alle Meinungsfreiheit so weit, dass ich sogar für die Meinungsfreiheit der Bischöfe bin. Man kann nicht ausschließen, dass auch einmal ein Bischof was Richtiges sagt. Richtig hoffärtig klingt das, aber keine Angst, er kriegt die Kurve schon, ein Bisschen Dialektik hat er sich aus seiner Marxistenzeit noch bewahrt. Drum rufe ich dem Haufen der wütenden Kritiker zu: Halt, verbrennt mir den Bischof Laun nicht auf eurem fortschrittlichen Scheiterhaufen. Auch er darf was sagen, ohne dass ihr gleich den antiklerikalen Veitstanz kriegt. Da könnte man fast vergessen, dass es der Kardinal war, der den klerikalen Veitstanz eröffnet hat.

"Man lacht nicht über Gott" ist ein nützlicher Satz. Er wird gesagt in der "modernen" Schmutzflut, die über Christus und seine Kirche ausgegossen wird, und wir dachten immer, er sei von Laun. Auch egal. Ich - er, Nenning - stehe zum Volk (griechisch: Demos - diese humanistische Bildung!), zu den "einfachen" Leuten, die sich beleidigt fühlen durch permanente Verhöhnung ihres Glaubens. Wer über Gott lacht, ist gänzlich daneben. Na, es geht doch! Endlich wieder klar auf Dichand-Linie: "Einfache" Leute, die sich beleidigt fühlen durch permanente Verhöhnung, sei es durch Karikaturisten oder Sozialschmarotzer, durch den Herrn Verheugen oder den Presserat, da ist alles drin. Ein Tschappi vom großen Hundestreichler hat er sich damit schon verdient, gell?

Das war am Dienstag. Am Sonntag, wenn die "Krone" als Kirchenblatt erscheint, stieß er Christianus mit einem Glaubensbekenntnis glatt von der Kanzel. Ich blättere in meinem alten Liederbuch "Dulci jubilo/Hirten- und Krippenlieder" aus dem Verlag St. Gabriel, Mödling. Wenn ich mit der Arbeit nicht zurechtkomme, meist ist es dann schon Nacht, lege ich den Stift hin und schiebe das Papier weg. Immer auf dem Schreibtisch liegt das rote Büchlein, ich blättere drin und singe ganz ungeniert

Wenn er es nur nicht mit dem roten Büchlein des Völkerhirten Mao verwechselt. Das wird er ja auch noch haben - aus der Zeit, in der Religion als das Opium des Volkes galt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. April 2002)