Der Pkw-Verkehr in Wien hat in den vergangenen 20 Jahren um mehr als die Hälfte zugenommen. Das geht aus einer im Auftrag der Arbeiterkammer Wien erstellten Studie des Österreichischen Instituts für Raumplanung hervor. Wenn man sich allerdings die unterschiedlichen Bezirke ansieht, ergibt sich eine interessante Entwicklung: Im Stadtkern etwa konnte der Autoverkehr eingedämmt werden, in der Peripherie hat er sich dagegen fast verdoppelt. Die AK fordert daher eine hochrangige Öffi-Verkehrsanbindung der Wiener Außenbezirke. Insgesamt nahm der Straßenverkehr in Wien jedoch deutlich langsamer zu als in gesamt Österreich, betonte der stellvertretende Leiter der Abteilung Umwelt und Verkehr der AK, Wolfgang Laubner. Nichtsdestotrotz betrug die Steigerung bei den Pkw in Wien 56 Prozent, bei Lkw 32 Prozent, erläuterte Studienautor Reinhold Deußner. Unterschiedliche Entwicklung in verschiedenen Bezirken Unterschiedlich ist allerdings die Entwicklung in den verschiedenen Bezirken. So sei die Verkehrsentwicklung nach 1990 in den Randbezirken sehr dynamisch, in den Innenbezirken stagniere sie dagegen, so Deußner. So sind die Fahrleistungen laut Studie zwischen 1990 und 2000 in den inneren Bezirken West (1., 4. bis 9. Bezirk) heute auf dem Niveau von 1990, in den Bezirken West (13. bis 19.) stiegen sie nur um 8 Prozent, jenseits der Donau (21., 22. Bezirk) dagegen um 49 Prozent. Das Verkehrswachstum sei zudem auch sehr stark an bestimmte Straßen gebunden, betonte Deußner. So stieg das Verkehrsaufkommen auf der A23 in den vergangenen zehn Jahren um 74 Prozent an, die Steigerung beim Gürtel lag bei zehn Prozent. Auf einigen Straßen innerhalb des Gürtels kam es sogar zu Abnahmen: etwa auf der Alser Straße oder der Burggasse. Im innerstädtischen Verkehrsbereich gebe es einfach keine Kapazitäten mehr, erklärt Deußner diese Entwicklung. Öffentlicher Verkehr als Alternative zu Pkw Grund für die Stagnation der Verkehrsentwicklung in den inneren Bezirken ist unter anderem die besonderen Situation der Großstadt Wien mit seinen hohen Siedlungsdichten und dem beschränkten Straßenraum. So sei Wien etwa auch nie dem "Straßenverkehr geopfert" worden, so Deußner. Der öffentliche Verkehr sei gut ausgebaut. Dadurch ergebe sich für viele eine Alternative zum Pkw. Auch die Einführung des Parkpickerls oder auch Straßenrückbauten hätten den Verkehr in den Innenbezirken eingedämmt. Verkehrszumahme in den Außenbezirken Der Pkw-Verkehr in den Wiener Außenbezirken 11., 21., 22. und 23. hat dagegen weiterhin deutlich zugenommen. Betriebs- und Wohngebiete am Stadtrand müssten daher durch hochrangige Öffi-Verkehrsanbindung attraktiver gemacht werden, fordert Laubner. Schon bei Flächenwidmungen und Betriebsansiedlungen sollte etwa bereits an den öffentlichen Verkehr gedacht werden. Am Wienerberg etwa sei ein Wohngebiet geplant, bisher gebe es aber lediglich zwei Buslinien, die Bewohner seien daher auf das eigenen Auto angewiesen. Die AK fordert auch Vorrang für öffentliche Verkehrsmittel in der Peripherie, wie etwa den Ausbau von Busspuren. Untersucht wurde in der Studie zudem auch die Schadstoffentwicklung. Im Wiener Stadtverkehr haben die Schadstoffe (Stickoxid-, Kohlenwasserstoffe und Partikel-Emissionen) in den vergangenen 20 Jahren trotz des angestiegenen Verkehrs insgesamt zwar abgenommen, dagegen gab es aber seit 1985 wieder eine Zunahme bei den Kohlendioxid-Emissionen. (APA)