Wien - "Was passiert, wenn Künstler eine Stadt unter dem Bewegungsaspekt erforschen?" Topografie ist das Schlüsselwort der ersten "Factory Season" im Wiener Tanzquartier. In den Monaten Mai und Juni, wenn dem TQ nur die Studios und nicht die Halle G als Aufführungsort zur Verfügung stehen, erarbeiten 23 KünstlerInnen interdisziplinär und outdoor "Wien umgehen - Ein topografisches Projekt". Gleichsam als Auftakt legt die New Yorker Performerin Claude Wampler kommenden Samstag (27. April) den Haupthof des Museumsquartiers mit einem Teppich aus Pferdeäpfeln aus.Crossover Ziel der "Factory Season" ist, die über das Jahr entwickelten Perspektiven von Tanz, Performance, Recherche und Theorie abschließend als Crossover zu bündeln. 23 lokale und internationale KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz, Performance, darstellende und bildende Kunst erkunden dazu heuer jeweils (maximal) zehn Tage lang in individueller künstlerischer Vorgangsweise einen der 23 Wiener Bezirke. Sie werden dabei vor Ort untergebracht, von einem studentischen Guide begleitet und von Lorenz Seidler alias "Esel" von Radio Orange interviewt. "Samstags-Salons" Die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentieren die TopografInnen, jeweils zu zweit oder dritt, an acht "Samstags-Salons", und zwar in Form von Gesprächsrunden und eines spezifischen mitgebrachten Fundstücks. Die Fundstücke werden von der Künstlerin Barbara Houb in Form einer begehbaren Installation "archiviert" und sollen so letztlich eine Art künstlerische Karte von Wien bilden. Die Interviews sind in Hörstationen und auf spontanen Sendeplätzen auf Radio Orange abrufbar. Abgerundet werden die "Salons" jeweils von einem Vortrag und einem vom Filmverleih Sixpack zusammengestellten halbstündigen Filmprogramm zum Thema Topografie. Am 8. Juni klingt der Salon in die "Lange Nacht der Musik" des ORF aus. Zusätzlich finden im Mai und Juni jeweils mittwochs und freitags Studioaufführungen statt, vorwiegend von TeilnehmerInnen des Projekts und vorzugsweise das Thema begleitend. Unter den TopografInnen sind etwa die bildende Künstlerin Katrina Daschner, der Choreograf Xavier Le Roy, die Tänzerin Alice Chauchat, der Theatermacher Hubsi Kramar sowie Mihai Mihalcea aus Rumänien, der erste Teilnehmer des Residenzprogramms für osteuropäische ChoreografInnen am Tanzquartier. Vorträge halten unter anderem der deutsche Physiker Michael Schreckenberg (über die Computersimulation von Menschenmassen in Panik) oder die aus lauter KunsthistorikerInnen zusammen gesetzte Münchner Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle). Im Filmprogramm vertreten sind unter anderem Martin Arnold, Gustav Deutsch und Peter Tscherkassky. Pferdemist-"Infiltration" Claude Wamplers Pferdemist-"Infiltration" (27.4., 17 Uhr) hat mit dem topografischen Projekt ursächlich eigentlich nichts zu tun. Die Universalkünstlerin (ausgebildete klassische und Butoh-Tänzerin, Opernsängerin und bildende Künstlerin), die unter anderem mit Paul McCarthy, Meg Stuart oder Richard Foreman gearbeitet hat, will das neue "cleane" Areal an seine Stall-Vergangenheit erinnern und dabei zugleich an die obsessiven Polka-Dots von Yayoi Kusama anknüpfen, die noch bis 28. April in der Kunsthalle wuchern. (APA)