New York/Wien - Victor Weisskopf, 1908 in Wien geboren, 1937 in die USA emigriert, ist am Montag in New York einem Herzschlag erlegen. "Er war einer der Giganten der Physik des 20. Jahrhunderts", würdigt Quantenphysiker Anton Zeilinger (Uni Wien) den Verstorbenen, der bei den Revolutionen der Teilchen-und Quantenphysik mit dabei war - als Assistent bei Niels Bohr, Werner Heisenberg, Wolfgang Pauli, Erwin Schrödinger.Weisskopf hat sich unter den Physikern hohe Reputation erworben - "viele Formeln tragen seinen Namen" (Zeilinger) - und wurde einer breiteren Öffentlichkeit als Mitentwickler der Atombombe bekannt, deren Einsatz er später zu verhindern suchte. Er war seit 1943 führend am US-Bombenprogramm "Manhattan Project" beteiligt und hielt auch den ersten Abwurf für "noch zu rechtfertigen", den zweiten (über Nagasaki) aber für "ein Verbrechen". Um weitere zu verhindern, war er 1955 unter der Gründern der Pugwash-Konferenz, einer Forschervereinigung, die für ihr Engagement gegen den Atomkrieg 1995 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2002)