Wien - Äußerst unappetitliche Ergebnisse brachte ein bereits im Februar vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) durchgeführter Test von verpackten Salaten aus Wiener Supermärkten: Ein Großteil der Produkte war nicht mehr zum Verzehr geeignet. Von 23 Proben wurden 13 mit "nicht zufrieden stellend" bewertet, nur fünf wurden mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt. Lediglich zwei Proben wurden bei den vorgeschriebenen Temperaturen von maximal vier Grad gelagert. Der Handel hatte bisher jedoch kaum reagiert. "Ich habe den Eindruck, der Handel hat noch nicht mitbekommen, wie man damit umgeht", sagte VKI-Geschäftsführer Hannes Spitalsky am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Er sprach vom schlechtesten Ergebnis, das bisher bei einer derartigen Untersuchung erzielt worden sei. Lagerung von geputzen und gewaschenen Salate sind problematisch Geputzte, geschnittene, meist gewaschene und trockengeschleuderte Blattsalate in Plastiksäckchen oder -schüsseln sind besonders anfällig für den Verderb. Bei geschnittenen oder geraspelten Pflanzen tritt, wie VKI-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck erläuterte, Saft aus den Zellen aus. Dieser bietet Mikroorganismen ideale Bedingungen zur Vermehrung. Aus diesem Grund gelten bei Produktion, Transport und Lagerung strenge Hygiene- und Temperaturvorschriften. Vorgeschriebene Kühltemperatur So müssen diese Salate im Kühlregal bei maximal vier Grad gelagert werden. Unter dieser Voraussetzung sollten sie fünf Tage halten. Abgesehen davon, dass dies nur bei zwei der 23 Proben zutraf, wurden in drei Fällen sogar 17 bis 19 Grad gemessen. Neun der Proben schieden wegen vertrockneter oder zermatschter Blätter, sichtbarem Schimmel, säuerlichem Geruch oder dumpfem und altem Geschmack aus. Von den 14 im Bewerb verbliebenen Salaren schafften vier die bakteriologische Untersuchung nicht: Sie enthielten zum Teil Keime wie Enterokokken und Coliforme Keime, die zu Übelkeit und Brechdurchfall führen können. Hohe Nitratwerte bei Rucola Bei vier Proben wurden überhöhte Nitrat-Werte ermittelt, drei Mal bei Rucola, ein Mal bei Vogerlsalat. Bei Rucola gibt es keinen festgelegten Grenzwert, bekannt ist laut Birgit Beck, dass diese Sorte einen guten Nitrat-Speicher darstellt. Die Vorschriften der Lebensmittel-Kennzeichnung wurden in zwölf Fällen nicht eingehalten. Bei einigen Produkten fehlten Angaben zur Mindesthaltbarkeit. Bundesgremium des Lebensmittelhandels bestürzt Bestürzt über die wenig schmeichelhaften Ergebnisse des Tests zeigt sich das Bundesgremium des Lebensmittelhandels in der Wirtschafskammer Österreich. "Wir nehmen die Untersuchung sehr ernst und auch zum Anlass, die Betriebe des Lebensmittelhandels auf die Frage der Lagerung verpackter Salate nochmals aufmerksam zu machen", erklärt der Geschäftsführer des Bundesgremiums, Richard Franta. "Auf die Einhaltung der Lagerbedingungen ist besonderes Augenmerk zu legen, da es sich um eine sehr sensible Ware handelt." Handel will reagieren Er rechne damit, so Franta weiter, dass der mit dem Test angesprochene Lebensmittelhandel kurzfristig reagieren und Missstände, sofern sie bestehen, prompt abstellen werde. Mittelfristig seien Gespräche über die Frage der Lagerdauer auch mit vorgelagerten Stufen und unter Einbeziehung von Experten vorgesehen. Das Ziel seien "vernünftige und praktikable Richtlinien, die einerseits eine Vermarktung möglich machen und andrerseits noch mehr Sicherheit für die Konsumenten bieten", hieß es in einer Aussendung der Wirtschaftskammer.(APA)