Wien - Zufrieden gab sich der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Fritz Neugebauer, mit dem Verlauf des Uni-Streiks am Mittwoch. Durch den Warnstreik sei es gelungen, auf die Brisanz der Situation hinzuweisen. Die Bundesregierung sei gut beraten, den Gesetzesentwurf zur Uni-Reform nicht "einzubetonieren", sondern Argumenten aufgeschlossen zu begegnen, betonte Neugebauer in einer Aussendung am Mittwoch. Unter der Prämisse einer offenen Diskussion werde auch die Fortsetzung der Verhandlungen am 2. Mai Sinn machen, gab sich der Gewerkschafter überzeugt. Ursprünglich wäre für gestern, Dienstag, ein Verhandlungstermin vorgesehen gewesen, angesichts des Warnstreiks war dieser aber auf den 2. Mai verschoben worden. Für SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl manifestiert sich in der Uni-Reform der "Abschied der ÖVP von der politischen Mitte". Der Umgang mit den Einwänden der von der Reform Betroffenen sei ein weiterer Beweis dafür, dass demokratische Konsensfindung im Repertoire der Volkspartei keinen Platz mehr habe, so Kuntzl. Der schmale Grat, der sie noch von der FPÖ trenne, sei in Auflösung begriffen. Kuntzl befürchtet, dass die ÖVP nicht bereit ist, auch nur einen Millimeter vom "Geist des Uni-Gesetzes" abzuweichen, die Universitäten an die "blau-schwarze Leine" zu legen. Für die SP-Bundesgeschäftsführerin ist der Uni-Streik daher Ausdruck berechtigter Sorge. Kuntzl forderte weitere Verhandlungen und verwies auf das von der SPÖ vor einigen Tagen präsentierte Reformkonzept. Eine Solidarisierung zwischen Studenten und den streikenden Uni-Lehrern ortet die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sei nun auf aufgefordert zu handeln und den geäußerten Unmut nicht zu ignorieren, sagte ÖH-Chefin Anita Weinberger. Die Ministerin sollte den Gesetzesvorschlag zurückziehen und mit allen universitären Gruppen ein ernsthaftes Gespräch suchen. Andrea Mautz, zweite Frau im ÖH-Vorsitzteam, ortet in Äußerungen von Streik-Gegnern "unglaubliche Präpotenz". Vor allem der Hinweis, man solle lieber diskutieren statt demonstrieren sei "überheblich und zynisch", bemängelte Mautz. Schließlich seien gerade die Regierungsparteien ernsthaften Diskussionen bisher aus dem Weg gegangen. (APA)