Wien - "Mehr Fingerspitzengefühl hätte ich da schon erwartet", kritisierte Günter Woratsch, Präsident des Wiener Landesgerichts, am Mittwoch die Polizei. Eine Dutzendschaft Beamter hatte davor einen Gerichtssaal abgeriegelt, Schöffen perlustriert, Zuhörer vorübergehend am Betreten gehindert, Journalisten wurde beschieden: Der Saal sei voll, die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verhandlung galt einem V-Mann eines inzwischen selbst unter Verdacht des Amtsmissbrauchs geratenen Beamten des Sicherheitsbüros und einem angeblichen "Chef der türkischen Drogenmafia in Wien". Sie mussten sich nach dem Suchtmittelgesetz verantworten. Richter Peter Liebtreu hatte die Öffentlichkeit jedoch keineswegs ausgeschlossen. Das Vorgehen der Exekutive war nicht abgesprochen. Der "Drogenboss" beteuerte seine Unschuld, "die Geschichte ist faul", sagte sein Verteidiger. Das Verfahren wurde vertagt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.04.2002, APA)