Berlin- Mediziner der Universität Mainz haben die Zahl möglicher Fälle der neuartigen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) in Großbritannien und dem übrigem Europa stark nach unten korrigiert. Ihren Berechnungen zufolge sind bis zum Jahr 2040 in Großbritannien mit maximal 6.000 zusätzlichen Erkrankungen zu rechnen, im übrigen Europa mit höchstens 60. Diese in der jüngsten Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes veröffentlichte Hochrechnung liegt um das Zehn- bis Hundertfache unter bisherigen Annahmen. Die beiden Autoren, der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi und der Pathologe Jürgen Bohl, werfen Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in ihrer Reaktion auf die BSE-Krise "kollektives Versagen" vor. Nach den ersten BSE-Fällen in Deutschland im Jahr 2000 sei mit der Massentötung unangemessen hysterisch reagiert worden. Von acht Millionen getesteten, gesunden Rindern in Europa (außer Großbritannien) seien bisher nur 200 BSE-positiv gewesen. Das Robert Koch-Institut (RKI) Berlin hatte noch im Februar von maximal 600 möglichen Fällen in Deutschland bis 2040 gesprochen. Bis dahin werden allerdings voraussichtlich 4.000 Menschen an der klassischen CJD sterben. In Deutschland trat bisher noch kein Fall der neuartigen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf. Hochrechnungen zufolge waren zunächst für Großbritannien auf Grund der BSE-Seuche 70.000 bis 136.000 vCJD-Fälle erwartet worden. In Großbritannien hatte es bis Jänner 2002 insgesamt 142 Fälle von vCJD gegeben, in Frankreich fünf und in Irland einen. (APA/dpa)