Österreichs Kurier-, Express- und Paketdienstleister wollen als Reaktion auf nachgebende Margen bei Standardsendungen Mehrwertprodukte forcieren. "Wo Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Zustellung eine Rolle spielen, ist der Preis von untergeordneter Bedeutung", sagte der Chef von DHL Österreich, Rainer Schwarz, dem STANDARD. Aufgrund der starken Konkurrenz sei im herkömmlichen Zustellgeschäft nur mehr wenig Geld zu verdienen. Eine Wertsendung zu einer vorher fix vereinbarten Zeit auf den Schreibtisch des Empfängers zu bringen, sei die Herausforderung, heißt es. Dafür könne auch teures Geld verlangt werden. Neben dem steigenden Wettbewerbsdruck habe auch die schwache Konjunktur die Einführung neuer Produkte beschleunigt. Berechnungen des Wiener Beratungsunternehmens Kreutzer, Fischer & Partner zufolge ist der Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) in Österreich vergangenes Jahr nur mehr um knapp 1,9 Prozent auf etwa 520 Mio. Euro gewachsen. Heuer wird ein Plus von 2,8 Prozent erwartet. Den letzten kräftigen Wachstumsschub gab es von 1999 auf 2000 mit einem Plus von 9,7 Prozent. "Mit der im Vorjahr eingeführten Expressschiene haben wir neue Kunden gewonnen", sagte Paul Senger-Weiss, Sprecher von DPD Austria. Am Zustelldienst sind die Speditionen Gebrüder Weiss mit 50 Prozent, Schachinger und Lagermax mit je 25 Prozent beteiligt. Die Österreichische Post hält jeweils 30 Prozent an den Einzelgesellschaften. Das Prämiumprodukt von DPD heißt "Primetime". Garantiert wird damit die Auslieferung einer Sendung wahlweise bis neun Uhr oder zwölf Uhr des folgenden Tages. Bei dem mehrheitlich der Deutschen Post gehörenden Expressdienstleister DHL werden mit StartDay Express im EU-Raum Sendungen bis neun Uhr früh des Folgetages zugestellt. Mit MidDay Express sind Überstellungen bis zwölf Uhr mittags garantiert. Ab September will man diesen Service auf Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien, die Slowakei, Slowenien und die Schweiz ausdehnen. Bei United Parcel Service (UPS) sieht man die Konjunkturschwäche auch als Chance. Kunden würden sich stärker auf Kernaufgaben besinnen und einzelne Prozesse auslagern. "Logistische Gesamtlösungen sind gefragt, das können wir", sagt der Chef von UPS Österreich, Burkhardt Wagner. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.04.2002, stro)