Standard: ProfessorInnen werfen Ihnen vor, sie hätten als Volksschullehrerin keine Kompetenz, die Unis zu reformieren. Was sagen Sie dazu?Gehrer: Es ist oft besser, Menschenverstand als Standesdünkel zu haben. STANDARD: Verletzt Sie das? Gehrer: Es ist sicher verletzend. STANDARD: Die Unis ärgern sich, dass man über sie "drübergefahren" ist. Gehrer: Das stimmt einfach nicht. Es gab über 300 Veranstaltungen. STANDARD: Immerhin kritisieren den Entwurf sogar Uni-Leute, die der Reform bisher prinzipiell positiv gegenübergestanden sind. Gehrer: Es gibt Missverständnisse: Alles was man zum Beispiel über die Einschränkung der Arbeit des Mittelbaues sagt, stimmt nicht. Wenn ich in meinem Büro ein Mikrofon aufstellen würde, könnte man außerdem hören, dass die Leute bei mir und in den Gremien genau das Gegenteil reden. STANDARD: Wo gibt es Bewegungsspielraum? Gehrer: Aus den Stellungnahmen ist noch einiges abzuleiten: beim Unirat, bei der Medizin, bei Habilitation und Berufungen sowie bei der Frage, wer Institutsvorstand werden kann. STANDARD: Verhärten sich jetzt die Fronten? Gehrer: Das müssen diejenigen beurteilen, die als Akademiker mit Eseln über die Ringstraße ziehen. Universitätsreformen waren immer von Protesten begleitet. Wir werden noch mit allen Gruppen Gespräche führen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 25.4.2002)