Lindau - Absichtliche Selbstverletzungen von Kindern und Jugendlichen haben in den vergangenen Jahren nach Beobachtungen von Experten zugenommen. Besonders anfällig seien Mädchen, von denen sich viele immer wieder Schnittwunden an den Handgelenken zufügten. "In der Pubertät ist die Zahl der Mädchen, die sich selbst verletzen, drei Mal so hoch wie die der Burschen", sagte der ärztliche Direktor der Tübinger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Kinder- und Jugendalter, Gunther Klosinski, am Rande der Lindauer Psychotherapiewochen. Auch Selbstmordgedanken seien in diesem Alter häufig."Psychosoziale Störungen" "Wir wissen inzwischen, dass selbstdestruktives Verhalten auf organische, psychische und psychosoziale Störungen zurückzuführen sein kann", erklärte Klosinski. Auch typische Probleme während des Heranwachsens spielten eine wichtige Rolle. Außerdem seien Selbstverletzungen oft ein Hilferuf der Jugendlichen nach mehr Nähe und Verständnis. Eltern und Freunde sollten deshalb sehr hellhörig sein. "Wenn ein 15-jähriges Mädchen mit ihrem Freund Probleme hat und sich immer wieder sichtbare Schnittwunden an den Armen zufügt, dann will sie, unter anderem, das der Freund das sieht und mit Trost und Zuwendung darauf reagiert", sagt der Mediziner. "Eltern sollten hellhörig werden" Einen möglichen Zusammenhang sieht Klosinski auch zwischen Selbstverletzungen und Selbstmorden. "30 bis 40 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 16 Jahren haben nach eigenen Angaben schon einmal mit dem Gedanken gespielt sich umzubringen", berichtete der Tübinger Professor. Auch diese Neigung sei bei Mädchen wieder in der Zeit des Erwachsenwerdens wieder stärker ausgeprägt, als bei Buben. "Eltern sollten hellhörig werden, wenn die Kinder detaillierte Selbstmordszenarien schildern", sagte Klosinski. Besonders gefährdet seien Kinder die sich nicht beachtet und ernst genommen fühlten. (APA/dpa)