Hollabrunn - Die Ermittlungen gegen den im Oktober 1997 nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen verschiedener Betrugsdelikte aus dem Gefängnis entlassenen N. Rahsl laufen seit Sommer 2000. Laut Sicherheitsdirektion dürfte der Verdächtige auch schon von etwa 1989 bis 1994 im Raum Wien und Niederösterreich als falscher Arzt aufgetreten sein und von "Patienten" für vorgetäuschte Spezialbehandlungen in Krankenhäusern vermutlich in betrügerischer Absicht Bargeld kassiert haben.Als Flugrettungsarzt ausgegeben Ab 1997 soll sich Rahsl mehrmals mit dem Vorwand, als Flugrettungsarzt tätig zu sein, an Frauen heran gemacht haben und diesen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (z.B. Fluggepäck bei angeblichen Auslandsreisen gestohlen) ihre Vermögenswerte herausgelockt bzw. seine Opfer auch bestohlen haben. In diesem Zusammenhang ist er laut Sicherheitsdirektion auch "kurzfristig in Untersuchungshaft genommen" worden. Der Verdächtige sei aber wieder entlassen worden, "weil ihm angeblich nicht nachgewiesen werden konnte, dass er kein Arzt ist". Frauen um Geld geschädigt Der Hinweis, dass Rahsl nur einen Hauptschulabschluss und einen WIFI-Kurs für Buchhaltung aufweisen kann, kam von einer Frau, die "ehemals im Naheverhältnis zum Verdächtigen" gestanden ist, so die Ermittler. Ihr soll der nun per Haftbefehl Gesuchte 363.000 Euro an Schulden hinterlassen haben. Illegale Arztpraxen Im Raum Hollabrunn betrieb Rahsl den Erhebungen zufolge ab Herbst 2000 kurzfristig illegal in einer Wohnung einer "Freundin" und an zwei weiteren Adressen "Arztpraxen". Er soll dort 93 Patienten mehrmals behandelt hat und hauptsächlich "Homöopathie" und "Akupunktur gegen Krankheiten aller Art und auch nach Operationen" angeboten haben. Überdies sei es ihm immer wieder gelungen, Krankenhäusern in ganz Österreich und Rettungsstellen vorzutäuschen, dass er Arzt sei. In einem Spital wurde "eine Anstellung als Notarzt im letzten Augenblick verhindert", weil der Verdächtige keine Papiere beibringen habe können, so die Ermittler. "Patienten" soll Rahsl unter dem Vorwand geschädigt haben, dass er dringend Geld für eine Praxiseröffnung oder neue Möbel benötige. Zwei Menschen bei kenntnisloser Behandlung verstorben Zwei Menschen, die sich den Behandlungen des Verdächtigen verschrieben hatten, sind laut Sicherheitsdirektion bereits an ihren Krebsleiden gestorben. Bei einer Frau soll Rahsl eine schwere Krebserkrankung als "kurzfristige Verkühlung" dargestellt haben, die man mit seiner Hilfe heilen könne. Das Opfer sei noch zur Sache vernommen worden und habe den 49-Jährigen schwer belastet. "Für eine Erfolg versprechende Behandlung dürfte es bei ihr bereits zu spät sein", berichteten die Ermittler. 822 Starfbestände Nicht weniger als 832 Straftatbestände legen Kriminalisten des Gendarmeriepostens Hollabrunn dem 49-jährigen Norbert Rahsl zur Last. Die "Latte" umfasst u.a. den Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges, des Diebstahls, der Veruntreuung und der Kurpfuscherei, berichtete die Sicherheitsdirektion am Freitag. Der Mann soll sich seit Jahren als "Arzt" ausgegeben haben, obwohl er den Ermittlungen zufolge nur einen Hauptschul-Abschluss und einen WIFI-Kurs für Buchhaltung aufweisen kann. Rahsl ist flüchtig. Das Landesgericht Korneuburg hat mit 27. März einen Haftbefehl ausgestellt. Durch die ihm angelasteten Tathandlungen soll der 49-Jährige einen Schaden von zumindest 125.000 Euro angerichtet haben, so die Sicherheitsdirektion. (APA)