Wien - Die Regierungsparteien haben sich auf eine weit gehende Bündelung der Wirtschaftsförderung in Österreich geeinigt, vier große, bisher voneinander unabhängige Subventionsinstrumente werden zu einer privatrechtlich organisierten Wirtschaftsförderung-Austria GmbH (WFA) verschmolzen, erklärten Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) und Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ) am Freitag. Ziel sei es, die wirtschaftsnahen Förderungen "wirtschaftsfreundlicher, kundenorientierter, effizienter und konzentrierter" als bisher zu gestalten, sagte Grasser, der das neue Modell zu einem "Meilenstein" erklärte. Während die Finanzierungsgarantie-Gesellschaft FGG, Bürges, Innovationsagentur und betriebliche Arbeitsmarktförderung zu neuer Gesellschaft hineinfusioniert werden sollen, bleiben ERP-Fonds und Österreichische Hoteltreuhand (ÖHT) rechtlich selbstständig, werden aber mit dem neuen Förderriesen verlinkt. Der ERP-Fonds soll die gleiche Geschäftsführung bekommen wie die WFA, die ÖHT soll die Tourismusförderung als Auftragnehmerin der WFA abwickeln. Bartenstein erinnerte daran, dass Experten und Wirtschaftsvertreter seit 20 Jahren einer Vereinfachung der unüberschaubaren Förderlandschaft das Wort redeten. "Das One Stop-Shop-Prinzip soll künftig auch für den Bereich der Wirtschaftsförderung des Bundes gelten." Anlaufstelle werde ein Kundenzentrum sein, bei dem es "eine Telefonnummer, eine E-mailadresse und einen Ansprechpartner" für die konkreten Förderanliegen der Betriebe geben werde. Der Gesetzesentwurf sei fertig und soll voraussichtlich nächste Woche in die Begutachtung gehen. Seine operative Tätigkeit werde der neue Subventionsriese voraussichtlich am 1. Oktober 2002 aufnehmen, hieß es. Steuerinstrument für 110 Subventions-Millionen Die neue Wirtschaftsförderung Austria wird ein (rein) österreichisches Fördervolumen von 110 Mill. Euro steuern, das pro Jahr etwa 3 Mrd. Euro an Investitionen auslöst (dazu vergibt der ERP-Fonds 466 Mill. Euro an Krediten, auch die aus Brüssel fließenden Förderungen sind in der genannten Summe noch nicht enthalten). In der Förderverwaltung seien Einsparungen von 20 Prozent möglich, dies sei aber "nicht primäres Ziel" der Reform, sagten die Minister Bartenstein und Grasser. Bisher hätten "Reibungsverluste, Doppelgleisigkeiten, Ineffizienzen und Kompetenzzersplitterung" das Fördersystem gekennzeichnet, zählte Grasser auf. Die Geschäftsführung der integrierten Gesellschaft soll statt der bisher zusammen 6 Geschäftsführer künftig aus zwei Personen bestehen, statt den (kumuliert) 27 Aufsichtsräten soll das Kontrollgremium zehn Mitglieder umfassen. Derzeit sind etwa 200 Mitarbeiter mit den verschiedenen Gesellschaften mit der Abwicklung beschäftigt, der Verwaltungsaufwand beträgt rund 18 Mill. Euro pro Jahr. Die Tätigkeit der Wirtschaftsförderung Austria wird nach dem nun vorgestellten Modell in fünf Bereiche gegliedert. In die Unterstützung der (anwendungsnahen) Forschung und Technologie, in das Geschäftsfeld "Start Ups/Gründungen/KMU", in die Regionalförderung, die auch als Auftraggeber für die ÖHT-Tourismussubventionen fungiert, in die Internationalisierungsförderung sowie in den so genannten "kommerziellen Bereich", der im Wesentlichen die Garantie-Aktivitäten der Finanzierungsgarantie-Gesellschaft umfasst. Eine "Überprüfung der Schnittstellen" zu den mit Förderungen befassten Stellen des Infrastrukturministeriums sei "angedacht", hieß es. Die Förderpolitik soll künftig im Rahmen von Zweijahresprogrammen ablaufen, die vom Aufsichtsrat sowie das Wirtschafts- und das Finanzministerium genehmigt werden müssen. Auch der ERP-Fonds, der aus rechtlichen Gründen (US-Gründungsverträge) selbstständig bleiben muss, soll künftig seine Aktivitäten mit diesen Zweijahresprogrammen abstimmen. (APA)