Wien - Otto F. Beer, der am vergangenen Montag 91-jährig an den Folgen eines Schlaganfalls im Sanatorium Liebhartstal gestorben ist, war bis vor kurzem noch in der Stadt realiter und medial als Journalist in der Süddeutschen und im Rheinischen Merkur präsent. Die Laufbahn dieses Theater-und Literaturkritikers zeigt auch die Zeitungslandschaft nach 1945:

1910 als Sohn eines Musikpädagogen geboren und selbst zum Musiker ausgebildet, arbeitete Beer bis 1939 beim Neuen Wiener Journal. Bis 1945 "eingerückt gemacht" (so der von Beer geschätzte Karl Kraus), formierte sich nach Kriegsende eine Zeitungslandschaft: Da gab es die Zeitung Neues Österreich, die in Beers Kulturressort immerhin Texte von Ilse Aichinger und Ingeborg Bachmann druckte; da gab es die - um die ehemalige Jaspers-Studentin Bobby Euler formierte - Monatszeitschrift Der Turm; auch in Otto Basils Plan schrieb Beer - und für den ORF-"Fenstergucker".

Später war er über viele Jahre hin primär der Theaterkorrespondent der Süddeutschen. Beer konnte aber auch einige Überraschungsangriffe im Romanfach (u. a. Ich-Rodolfo, Magier, 1965) und im komischen Fach (u. a. die Komödie Die Eintagsfliege, 1961) landen. - Ein lieber Mensch weniger in der Stadt. (rire - DER STANDARD, Print, Sa./So., 27.04.2002)