St. Pölten - Mit der Paul Taylor Dance Company gastiert am Samstag eines der berühmtesten amerikanischen Modern-Dance-Ensembles im Festspielhaus St. Pölten. Die Truppe hat Tradition. In die Jahre gekommen ist sie keineswegs, sondern konnte den Status "Klassiker der Moderne" durchgehend erfrischend halten. Als der ehemalige Wettkampfschwimmer Paul Taylor vor 46 Jahren seine Company gründete, gehörte er wie Kollege Merce Cunningham zu den "jungen Wilden", zu den aufmüpfigen Choreografen der New Yorker Szene.

Damals noch einer der männlichen Protagonisten der Martha Graham Dance Company machte er sich bereits mit unkonventionellen, teils umstrittenen Eigenschöpfungen bemerkbar. Er verwendete sowohl klassisches wie modernes Schrittmaterial, baute daraus einen Stilmix, in dem auch sportliche Elemente durchaus ihren Platz fanden. Taylors kraftvoll-dynamische Arbeiten waren und sind meist doppeldeutig zu sehen. In den heiteren Ausdruck und die Leichtigkeit seiner fließenden Formgestaltung mischt sich oft ein ironisch kritischer Zwischenton.

Zum Auftakt tanzt die vielseitige Company Cloven Kingdom aus dem Jahr 1976. Darin nimmt Taylor die animalische Komponente des menschlichen Wesens unter die Lupe und entfaltet auf humorvolle Weise das Bestialische unter der Hülle gesellschaftlicher Konvention. Mit Piazzolla Caldera präsentiert man zur Musik von Astor Piazzolla und Jerzy Petersburshsky eine eigenwillige Auseinandersetzung mit dem Tango. Wider die Konform hat Taylor The Word geschaffen. (knei - DER STANDARD, Print, Sa./So., 27.04.2002)