Innsbruck - Kommenden Samstag wählt die SPÖ Tirol einen Nachfolger für Herbert Prock (47), der als Obmann abtritt und noch vor dem Sommer auch als Landeshauptmannstellvertreter zurücktreten will. Als Nachfolger wird der Kundler Bürgermeister Hannes Gschwent- ner favorisiert. Er hatte im Jänner die latente interne Kritik an Prock öffentlich formuliert und mit der Kampfansage verbunden, ihn an der Parteispitze ablösen zu wollen. Mit der Begründung, der Partei "eine Zerreißprobe ersparen" zu wollen, kündigte Prock darauf seinen Rückzug an.In den SPÖ-Hochburgen Innsbruck-Stadt und Innsbruck-Land, die bis zuletzt Prock unterstützt hatten, wollte niemand gegen Gschwentner antreten. Der Reihe nach winkten Landesrätin Christa Gangl, Klubobmann Walter Guggenberger, der SP-Bildungssprecher im Natioalrat, Erwin Niederwieser, und Landtagsvizepräsident Ernst Pechlaner ab. Als Gschwentners alleinige Kandidatur bereits festzustehen schien, gab in letzter Minute der Gewerkschafter Gerhard Schneider seine Bewerbung bekannt. Schneider hatte als Präsident des ÖGB Tirol vor zwei Jahren gegen Fritz Dinkhauser (AAB) im AK-Wahlkampf eine vernichtende Niederlage erlitten und sich auf seinen Beruf als Regionalsekretär der GPA zurückgezogen. Zuletzt sind Gschwentner und Schneider fast allabendlich in einem anderen Bezirk zu Kandidatenhearings angetreten, wobei es Schneider als seinen Erfolg wertet, dass die vorher lauen Soloauftritte Gschwentners zu spannenden politische Auseinandersetzungen wurden. Schneider hat keine Hausmacht in der Partei, seine Chance liegt darin, als politisch profilierterer der beiden Kandidaten aus dem Kreis der früheren Prock-Unterstützer Delegierte für sich zu gewinnen. (hs/DER STANDARD, Print, 29.4.2002)