Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi rüstet seine liberalkonservative Partei Forza Italia (Vorwärts Italien) im Hinblick auf den ersten, wichtigen Wahltest seit seinem Sieg bei den Parlamentswahlen vor einem Jahr: Die Kommunalwahlen am 26. Mai. Während Italiens Oppositionsblock mit Mühe einen Ausweg aus einer tiefen Identitätskrise sucht, in die er seit Berlusconis Sieg gestürzt ist, feilt die Partei des Ministerpräsidenten an verlockende Wahllisten, die ihre Position auf Lokalebene stärken sollen. Die Wahllisten müssen bis Ende dieser Woche eingereicht werden. Genua, Verona, Parma, Gorizia (Görz) und Reggio Calabria sind einige der größeren Städte, in denen am 26. Mai gewählt wird. Insgesamt 11 Millionen Italiener sind zu diesem Urnengang aufgerufen, der für Berlusconi von entscheidender Bedeutung ist: Der Ministerpräsident will demonstrieren, dass seine Popularität ein Jahr nach seinem Wahlsieg unverändert ist. Berlusconi zitiert dazu von seinem Umfaled in Auftrag gegebene Meinungsumfragen, aus denen hervorgeht, dass er Italiens beliebtester Regierungschef der Nachkriegszeit ist. Verankerung auf Lokalebene Der TV-Tycoon hofft, dass trotz des Streits mit den Gewerkschaften um die Aufweichung des Kündigungsschutzes, der Polemik mit der Opposition wegen seiner ungelösten Interessenskonflikte und den Spannungen mit den Richtern rund um eine umstrittene Reform des Justizsystems die Mehrheit der Wählerschaft ihm treu bleibt. Bei einer Tagung in Rom stellten die Führungsgremien der Forza Italia die Strategie vor, mit der sich die Gruppierung auch auf lokaler Ebene behaupten will. Das Motto für die nächsten Wochen lautet: Verankerung auf Lokalebene fördern. Die Forza Italia will bis in die kleinsten Gemeinden hinein Wurzeln schlagen, um auch auf Kommunal- und Provinzebene ihre Effizienz als Regierungspartei beweisen zu können. "Forza Italia muss nun an einer neuen Phase seiner Evolution arbeiten, um auch bei den nächsten Parlamentswahlen 2006 triumphieren zu können", betonte Innenminister Claudio Scajola, der sich seit der Gründung der Forza Italia Ende 1993 mit der Strukturierung der Partei beschäftigt hat. Beitrag der Lega Nord "Wir müssen auf Lokalebene die Basis für eine effiziente Führungselite in der Forza Italia schaffen. Die Phase in der Opposition ermöglichte uns, unsere Politiker besser zu selektieren. Unsere Vertreter sind heute die besten in den Parlamentsreihen", so Scajola. In Norditalien hofft die Forza Italia auf einen entscheidenden Beitrag der rechtspopulistischen Lega Nord, mit der Berlusconi das Land im Rahmen einer Mitte-Rechts-Koalition seit Juni regiert. Auch die Lega Nord, die bei den letzten Parlamentswahlen auf vier Prozent der Stimmen zusammengeschrumpft war, will ihre Position auf Lokalebene stärken. Gewählt wird am 26. Mai in Städten wie Como und Varese (Lombardei), Alessandria und Asti (Piemont), die zu den Hochburgen des Lega-Chefs und Reformministers Umberto Bossi zählen. (APA)