Wien - Bis zum Jahr 2005 werden in Österreich 165.000 hoch qualifizierte Fachkräfte fehlen. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass die gestiegene Arbeitslosigkeit den Fachkräftemangel gemildert habe, sagte Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl am Montag in einer Pressekonferenz. "Der Mangel verstärkt sich eher noch."

Diesem Problem will man mit einer neuen "Fachhochschule der Wirtschaft" zu Leibe rücken, auf der "Management und angewandte Wirtschaftswissenschaften" sowie "Information und Kommunikation" gelehrt werden sollen.

Insgesamt sollen so bis 2007 rund 1000 neue Studienplätze entstehen. Die Jobsituation der FH-Absolventen? Leitl: "Sie gehen weg wie die warmen Semmeln."

Der Frust der Unis, dass Maturanten, die an Fachhochschulen abgelehnt werden, dann an die hohen Schulen kommen, versteht man in der Wirtschaft. "Wir wollen trotzdem keinen Numerus clausus", sagt Wifi-Institutsleiter Michael Landertshammer. Doch die Unis müssten ihre Studieneingangsphase besser strukturieren und mehr Bakkalaureatsstudien anbieten.

Emotionen

Zur umstrittenen Universitätsreform sagte Leitl: "Wir bekennen uns zur Autonomie, das führt zu mehr Effizienz." Allerdings habe es offenbar in den Verhandlungen zwischen Unis und Bildungsministerium "im emotionellen Bereich manches gegeben, was noch verbesserungsfähig wäre". Doch Ministerin Elisabeth Gehrer sei zum Dialog bereit. Einen Vorschlag zum Entwurf hat auch die Wirtschaft einzubringen: Drittmittel sollten nicht - wie vorgesehen - in die Töpfe der einzelnen Unis fließen, sondern an den Instituten bleiben, die sie lukriert haben. Außerdem empfiehlt Leitl die Einrichtung eines "unbürokratischen" Rates für Hochschulentwicklung. Das Gremium sollte langfristige Strategien entwickeln.

Das "Copyright" dieses Vorschlags reklamiert Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher der Grünen, für sich. Ein derartiger Rat müsste aber den gesamten tertiären Bereich, also auch die Fachhochschulen, koordinieren. Die Hochschülerschaft der Uni Wien warnte am Montag vor einer Einschränkung des offenen Hochschulzuganges. (mon/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 30.4.2002)