Grrrrr! Sicher macht Fernsehen gewalttätig! Wir können da allerdings nur für uns sprechen. Wenn wir in der Morgenstunde das deutsche Frühstücksfernsehen aufdrehen und Edmund Stoiber, den Kanzlerkandidaten, sehen, wie er um Worte ringt und den TV-Film in einem Akt hochkomplexer Kausalitätsanalyse als alleinigen Gewaltauslöser zu demaskieren versucht, dann verspüren wir auch bei noch nicht sehr offenen Augen heftiges Verlangen, dem Gerät sämtliche Antennenknochen zu brechen.Gott sei Dank ist CD-Material von Judas Priest in der Nähe. Schnell "Some Heads Are Gonna Roll!" auflegen, und die Seelenruhe hat uns wieder. Und wir denken: Gut, beim Nachbarn ist Wahlkampfzeit - auch der deutsche Bundeskanzler hat längst die Intendanten der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehstationen zu einem Gespräch geladen. Angesichts der Erfurt-Katastrophe ist Untätigkeit Gewalt am Wahlergebnis. Wären wir gerne dabei, bei diesem Gespräch. Film als Gewaltlehrer? Dieses Thema würden wir jedoch ausklammern, da reicht ein Gespräch nicht. Wir würden eher die Freitag- und Samstagabend-Filmangebote thematisieren und fragen, wen man mit diesem Baller-Schrott bedienen will. Da wird Langeweile-Munition verpulvert. Fernsehen wird zum Lärm, dem man als halbwegs Erwachsener gerne durch Abdrehen entkommt. Und der junge Mensch? Ist zu dieser Nachtzeit eh beim Clubbing! Für wen also die Ramboisierung des Wochenendprogramms? (tos/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2. Mai 2002)