Wien - Justizminister Dieter Böhmdorfer hat nach einem Gespräch mit Bundespräsident Thomas Klestil betont, es sei ihm gelungen, die Bedenken des Präsidenten hinsichtlich einer Verschlechterung der Jugendgerichtsbarkeit durch die geplante Auflösung des Jugendgerichtshofes auszuräumen. Die von Klestil angeregte parlamentarische Enquetekommission soll nicht eingesetzt werden.Stattdessen hätten sich Klestil und Böhmdorfer auf einen "Lokalaugenschein" in den Justizanstalten für Jugendliche geeinigt, hieß es nach dem Gespräch. Klestil habe in dem Gespräch "eindringlich" unterstrichen, wie wichtig eine Beratung unter Beiziehung von Experten vor Realisierung des Vorhabens sei. Böhmdorfer habe zugesagt, dass er "über die Details eine breite Diskussion mit allen Persönlichkeiten" führen werde. Der Präsident des Jugendgerichtshofes, Udo Jesionek, will heute, Freitag, mit Klestil sprechen und ihm seine Argumente darlegen. Es gehe ihm nicht um den Standort des Jugendgerichts, betonte Jesionek im Gespräch mit dem STANDARD: "Wenn man alle begleitenden Strukturen übersiedeln kann, ist der Standort egal." Er gebe zu bedenken, dass die Aufteilung der Kompetenzen des Jugendgerichts auf die Bezirksgerichte "horrende Kosten" nach sich ziehen werde: "Bereits jetzt werden vom Jugendgericht Hunderte Gutachten allein in Pflegschaftsangelegenheiten verfasst." Sollte das wegfallen, müssten eben teure Gutachten "zugekauft" werden. (kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. Mai 2002)