Genf - Genforschung könnte in den nächsten Jahren zu großen medizinischen Fortschritten gegen Killerkrankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Aids führen und Millionen Menschenleben, besonders in Entwicklungsländern, retten. Könnte, denn diese Staaten "sind in Gefahr, vom Nutzen der Genomforschung ausgeschlossen zu bleiben wie bei der Computerrevolution", sagt Dan Brock von der Brown University, einer von 14 Autoren des ersten Berichts der Weltgesundheitsorganisation WHO zu "Genomics and World Health". Der 241-Seiten-Report stellt einige Beispiele für Forschung zugunsten armer Länder vor. Der Tenor bleibt aber warnend: "Die meisten Anreize für die Entwicklung neuer Medikamente sprechen Märkte der industrialisierten Welt an", sagt Koautor Barry Bloom von der Harvard School of Public Health, "dennoch bestehen große Chancen, das Wissen übers Genom auch für die Ärmsten anzuwenden." Allein: Das Geld fehlt. Der Bericht unterstützt daher die Einrichtung eines globalen Fonds mit "vorerst 1,5 Milliarden US-Dollar". Und er warnt vor geplanten großen Gen-Datenbanken, die unbekannte Gefahren und ethische Fragen verursachen würden. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2002)