Paris - Vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft am Sonntag grübeln die linken Wähler, wie sie für den konservativen Amtsinhaber Jacques Chirac stimmen und zugleich ihren Protest äußern könnten. Vor allem auf der Website commentvoterchirac.com finden sich kreative Vorschläge: rückwärts das Wahlbüro betreten, Trauerflor tragen, den Stimmzettel mit Handschuhen einwerfen, eine Blume ins Wahllokal tragen, mit einer Wäscheklammer auf der Nase oder mit der linken Hand hinter dem Rücken abstimmen. Zahlreiche Internet-Surfer wollen so die "Übelkeit" überwinden, die sie empfinden, indem sie Chirac gegen den Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen stützen. Allerdings schob der Pariser Verfassungsrat dem Treiben bereits einen Riegel vor. Das Wahlgeheimnis sei geschützt, und das Wahlrecht lasse derartige Protestformen nicht zu. Wenn Wähler mit Handschuhen oder Wäscheklammern auf der Nase gefilmt würden, könne das als "Wahlpropaganda" aufgefasst und von Le-Pen-Anhängern angefochten werden, erklärte der Verfassungsrat. Darüber hinaus droht bei Verletzung des Wahlgeheimnisses eine Geldstrafe von 15.000 Euro. Die jüngsten Appelle der Linken richten sich nun darauf, am Tag nach der Wahl in einem Schreiben an Chirac die Gründe für ihre Wahlentscheidung klarzustellen. Manche wollen den zerrissenen Stimmzettel mit dem Namen Le Pen dazulegen.(APA)