Dabei könnte alles so einfach sein. Man müsste nur mitmachen bei diesem Leben da draußen und also "normal" werden. Intelligenz ist ein Fluch, der die Menschen arm, ledig und deprimiert macht. Ihn gilt es abzustreifen. Nur dem Vollidioten ist es vergönnt, glücklich zu leben. Antoine, ein verkrachter Pariser Student, der sich sein Wissen über die offensichtlichen Antriebskräfte der Welt dadurch erworben hat, dass er die zentralen Werke der Geistesgeschichte nach und nach seitenweise in den Buchhandlungen gestohlen und zu Hause in der existenzialisten Dachbodenkammer neu zusammengeheftet hat, beschließt also, aktiv zu verblöden. Er will dringend zum Spießbürger wie du und ich werden. Ausgehend von einer waghalsigen Missinterpretation von Marcel Prousts Suche nach der verlorenen Zeit soll es nicht länger um philologische Studien gehen, bei denen ja doch kein Sex abfällt. Das bisher komplett sinnlos mit Lesen und Debattieren vergeudete Leben soll endlich mit Fußball, Fernsehen, Fitnessstudio und Fastfood endgültig entwertet werden.Dass das nicht klappt, liegt auf der Hand. Antoine ist nämlich schon längst am Ziel. Zuerst will er zum Entsetzen seiner Freunde der Krankheit des Intellekts mit dem Alkoholismus beikommen. Er scheitert aber daran, dass er vor lauter theoretischer Beschäftigung mit dem Rausch nicht zum Trinken kommt. Und auch der anschließende Besuch eines Selbstmordkurses an der Volkshochschule als interessante Alternative zum Leben an sich will nicht so recht klappen. Immerhin würde man auch für einen todsicheren Suizidversuch ein gewisses Quäntchen Intelligenz benötigen. Bleiben nur noch die Freuden der Chemie. Sein Hausarzt verschreibt ihm die Glücklichmacherpillen Heurozack - nachdem sich der Mediziner geweigert hat, Antoine Teile der Großhirnrinde operativ zu entfernen. Heurozack sorgt dann auch dafür, dass Antoine zu einem drastischen letzten Mittel greift. Er beschließt, einer geregelten Arbeit nachzugehen und wird zum ungewollt erfolgreichen Börsenmakler. Erst als Antoine von seinen besorgten Freunden entführt und einer "Gehirnwäsche" unterzogen wird, wendet sich das Blatt zum Guten. Am Ende erscheint ihm der Geist von Tom Jones, der ihm in einer Karaoke-Version seines alten Hits She's A Lady einen Brief von Gustave Flaubert aus 1857 vorsingt, in dem es um die "leichtfertigen, beschränkten Leute geht, die immer nur nach dem "Ziel des Lebens, wowwowwow, und nach der Dimension des Unendlichen, yeahyeahyeah!" suchen und am Strand die Sandkörner zählen wollen. Dabei ginge es nur um eines: Man müsse am Strand angesichts des Wunders der Schöpfung niederknien - oder auf ihm spazieren gehen. Das Loblied auf das Flanieren, die teilnehmende Beobachtung, ein guter alter Topos. Das Romandebüt des 27-jährigen Martin Page mag sich zwar teilweise lesen wie eine jener zahllosen modernen Filmkomödien aus Frankreich, bei denen man schon nach 15 Minuten wegen der geschwätzigen Lebensfreude und des intellektuellen Leichtsinns in den Dialogen nervös wird. Teilweise allerdings ist diese im Original Wie ich blöd wurde betitelte Achterbahnfahrt zum Glück im Leben und der Liebe hoch amüsant. Die Liebe schließlich bringt uns alle immer wieder um den Verstand. Das geht ganz ohne Anstrengung.