New York - Die öffentlichen Debatte des UNO-Sicherheitsrats über die Auflösung der Dschenin-Kommission ist am Freitag (Ortszeit) in New York nach sechs Stunden ohne Einigung zu Ende gegangen. Vertreter aus Israel und der Palästinenser griffen beide das UNO-Gremium an. Der palästinensische UNO-Beobachter Nasser El Kidwa sagte, es sei ein "echter Skandal", dass sich der Rat der israelischen "Erpressung" gebeugt habe. Dass Israel sich einer der UNO-Mission die Zusammenarbeit verwehrt habe, zeige, welch "unaussprechliche Gräuel" die Armee in dem Flüchtlingslager begangen habe. Das Militär habe mit dicht besiedelte Wohngegenden mit Raketen befeuert, Häuser mit Bulldozern eingerissen, Rettungsteams elf Tage lang den Eintritt verwehrt und Menschen als Schutzschilder missbraucht. Alles dies seien Kriegsverbrechen. Absichtliche Fehlinformation Der israelische Botschafter Jehuda Lancry warf den Palästinensern dagegen absichtliche Fehlinformation der Öffentlichkeit und dem UNO-Sicherheitsrat Parteilichkeit vor. Die palästinensischen Angaben zur Zahl der Opfer sei übertrieben. Die Aussagen der Palästinenser seien "überzogen pankikmachend". "Wenn die internationale Gemeinschaft vor zwei Wochen das über die Art der Vorgänge in Jenin gewusst hätte, was sie heute weiß, wäre ein Untersuchungsbericht vermutlich überhaupt nicht angemessen erschienen", betonte Lancry. Die Palästinenser hätten ihre Angaben über die Zahl der Opfer ständig nach unten korrigiert, sagte der israelische Botschafter weiter. Zunächst sei von Tausenden, später von Hunderten und zuletzt nur noch von 56 Toten die Rede gewesen. Zivilisten seien nur deshalb getötet worden, weil die Palästinenser sie als Schutzschilde benutzt hätten. Israel bedauere zwar die Opfer unter der Zivilbevölkerung. Sein Land sei jedoch gleichzeitig "bestürzt" darüber, dass der Weltsicherheitsrat israelischen zivilen Opfern nicht die gleiche Rechnung trage. Fehlende Haltung Die Debatte war einberufen worden, nachdem der UNO-Sicherheitsrat sich in tagelangen Diskussionen nicht auf eine gemeinsame Haltung zur Auflösung der Jenin-Kommission hatte einigen können. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte die Mission am Donnerstag wegen des anhaltenden israelischen Widerstandes abgesagt. (APA/AFP)