Wiesbaden - Mit scharfen Attacken gegen die Oppositionsparteien und dem Plädoyer für eine Erhöhung der so genannten Ökosteuer ab 2004 haben die deutchen Grünen am Samstag ihren Wahlparteitag in Wiesbaden begonnen. Parteichefin Claudia Roth bezeichnete die Politik des Kanzlerkandidaten der CDU/CSU, Edmund Stoiber, unter anderem als "vorgestrig". Scharf kritisierte sie auch die "neoliberale" FDP sowie die "Doppelzüngigkeit" der PDS. Die Grünen bekannten sich klar zu einer weiteren Erhöhung der Ökosteuer. Konkrete Summenwünsche wurden offenbar mit Blick auf die Bundestagswahl nicht festgelegt, der befürchtete Streit blieb aus. Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin verteidigte die Ökosteuer heftig: Preise müssten auch "die ökologische Wahrheit sagen". Die Delegierten stimmten anschließend für jene Passage des Wahlprogramms, wonach bei einer weiteren Erhöhung der Abgabe die "soziale Verträglichkeit" sowie "die dann geltende Höhe der Energiepreise" berücksichtigt werden sollen. Damit wurde die Forderung nach einer Erhöhung der Ökosteuer mit Blick auf den Wahlkampf entschärft. Ehrgeizige Ziele der Basis In der Energie- und Klimapolitik setzte die Basis ihre ehrgeizigen Ziele durch. So streben die Grünen in ihrem Wahlprogramm nun an, den Anteil erneuerbarer Energien schon bis zum Jahr 2006 statt erst bis 2010 zu verdoppeln. Außerdem wird das Ziel formuliert, bis 2010 "alle Treibhausgase um mindestens ein Drittel zu senken". Die Parteiführung hatte zunächst keine konkreten Zielvorgaben über die Verpflichtung Deutschlands im Rahmen der EU hinaus festgelegt, wonach die Bundesrepublik die Emissionen bis 2012 um 21 Prozent reduzieren muss. Roth verwies ebenso wie Trittin und Verbraucherschutzministerin Renate Künast auf grüne Erfolge in der Regierung. Die Grünen stünden für eine neue Landwirtschaft, Verbraucherschutzpolitik, gerechte Globalisierung sowie eine bessere Familien- und Kinderpolitik und die Besserstellung der Frauen, betonte die Parteichefin. Als Ziel für die nächste Legislaturperiode nannte sie unter anderem ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, das die bisherige Quote von Frauen in Chefetagen verbessere sowie gleiche Bezahlung durchsetze. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Nach Einschätzung von Co-Parteichef Fritz Kuhn wird die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zentrales Wahlkampfthema. Durch ökologisches Wirtschaften nach den Vorstellungen der Grünen seien zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen worden. Mit einem Wahlsieg von Union und FDP würde die "ökologische Schraube" zurückgedreht, warnte er. Kuhn sprach sich für den Abbau der "Teilzeitmauer" und eine Senkung der Lohnnebenkosten aus. Zum Wettstreit der Parteien im Wahlkampf um Familien- und Kinderpolitik sagte Kuhn, die Grünen redeten nicht nur über Kinderpolitik, sondern praktizierten sie auch. Er warnte davor, das Thema auf Kinderbetreuung zu reduzieren. Es gehe unter anderem auch um Verkehr und ökologisches Essen in Kindergärten. Es sei "skandalös", dass Kinder das größte Armutsrisiko in Deutschland seien. Am Abend wollten die Grünen Delegierten noch über die Lage im Nahen Osten debattieren. Der Parteitag wird am Sonntag fortgesetzt, zum Abschluss soll das etwa 40 Seiten umfassende Wahlprogramm für die Bundestagswahl am 22. September beschlossen werden. (APA/AP)