Wien - Den Mord an dem niederländischen Politiker Pim Fortuyn haben Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) am Dienstag für einen Appell zur Gewaltlosigkeit zum Anlass genommen. Beide appellierten nach dem Ministerrat, innezuhalten und sich zu besinnen. Schüssel meinte, man müsse zunächst "große Zurückhaltung" beim Ziehen von Schlussfolgerungen aus dem Attentat an den Tag legen. Angesichts einer "dramatischen Verkettung" von ähnlichen Ereignissen wie in Zug (Schweiz), Nanterre (Frankreich) und Erfurt (Deutschland) - sei eine Diskussion unabhängig vom jetzigen Anlassfall notwendig. Gewalt dürfe nie Mittel des Ausdrucks sein. Man müsse Gewaltfreiheit "Tag für Tag leben". Man müsse an der Ablehnung von Gewalt unter allen Umständen festhalten, betonte Schüssel. "Wer Gewalt anwendet, setzt sich und seine Anliegen ins Unrecht", erklärte Schüssel. "Kommen wir daher zur Besinnung", appellierte der Bundeskanzler auch an jene, "die Worte als Waffe einsetzen". Riess-Passer zeigte sich über das Attentat "fassungslos". Man müsse es zum Anlass nehmen, in der Wortwahl inne zu halten. Die "Gewalt der Worte" dürfe nicht überhand nehmen, weil dies auch zu tatsächlicher Gewalt führen würde. Dieses Innehalten sei auch angesichts des bevorstehenden 8. Mai und der dazu angekündigten Demonstrationen angebracht, betonte die Vizekanzlerin. Verurteilung quer durch alle Lager Mit Entsetzen reagierten Österreichs außenpolitische Sprecher auf das Attentat auf den niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn, der Montag Abend in Amsterdam erschossen wurde. Michael Spindelegger (ÖVP) erklärte, das Umbringen eines politischen Gegner sei ein "furchtbares Signal für ganz Europa" und absolut zu verurteilen. Ulrike Lunacek von den Grünen betonte, Gewalt könne nie im Leben Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. "In Richtung Gewaltspirale" Spindelegger: "Wenn einmal damit begonnen wird, jemanden, der einem politisch nicht lieb ist, umzubringen, ist das ein Zustand, der in Richtung einer Gewaltspirale geht". Dies sei auf alle Fälle abzulehnen, "unabhängig davon, dass ich politisch mit dem nichts am Hut habe und Äußerungen mit Sorge gesehen habe". Er hoffe, dass es nicht zu einer Gewaltspirale in Europa kommt. Grüne erschüttert Lunacek erklärte, eine politische Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten sei auf dem politischen Parkett zu führen, im Parlament und in Wahlkämpfen. "Aber sicher nicht mit Attentaten. Man kann nicht einen politischen Gegner und seine Positionen umbringen, ganz egal um wen es sich handelt. Ganz egal, auch wenn ich seine rassistischen Ideen verabschuungswürdig finde". Die österreichischen Grünen seien "zutiefst geschockt und betroffen" über die Ermordung des niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn, erklärte die stellvertretende Bundessprecherin Eva Glawischnig am Dienstag in einer Pressekonferenz. Sie sprach von einem "Schlag gegen die Demokratie". Die Grünen hoffen, dass der Mord an Fortuyn möglichst rasch aufgeklärt wird. "In jeder Form abzulehnen" SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures erklärte am Montagabend bezüglich des Attentats auf den niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn, dass "Gewalt in jeder Form unbedingt abzulehnen sei und "keinesfalls ein tolerierbares Mittel politischer Meinungs- und Willensäußerung" sein dürfe. "Dieses Attentat darf nicht dazu führen, dass gewaltbereite Kräfte aufgeschaukelt, oder gar gestärkt werden", betonte Bures. Nationalratspräsident Heinz Fischer (S) hat das "brutale Attentat auf den holländischen Politiker Pim Fortuyn auf das Schärfste verurteilt". Dieses Attentat sei ein "Zeichen für die wachsenden Spannungen in der europäischen Gesellschaft". Der Abbau dieser Spannungen und damit verbunden die Festigung der Demokratie müsse daher verstärkt auf der politischen Tagesordnung Europas stehen, betonte Fischer. Schweitzer "erschüttert" Der außenpolitische Sprecher der FPÖ, Karl Schweitzer, zeigte "erschüttert" über das Attentat auf den niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn. "Es ist ein Wahnsinn. Es fängt immer an mit der Gewalt der Worte, und da wird es halt notwendig sein, dass man da einmal gewaltig abrüstet". Auch wenn man noch so wenig mit dem einverstanden sei, was ein politisch Andersdenkender sage, könne man Gewalttaten nicht hinnehmen. Es wäre wichtig, wenn man die unterschiedlichen Positionen dem Wähler über eine Auseinandersetzung mit Argumenten, mit Inhalten klar zu machen versuche. "So wie das in letzter Zeit polarisiert wurde, ist das der falsche Weg", so Schweitzer. Swoboda für Pakt gegen Hass, Extremismus und Gewalt Der Leiter der SPÖ-Delegation im Europaparlament, Hannes Swoboda, hat angesichts des Attentats auf den niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn einen "gemeinsamen Pakt gegen Hass, Extremismus und Gewalt" gefordert. Das "schreckliche Attentat gegen Pim Fortuyn macht klar, dass Hass, Extremismus und Gewalt keinen Platz in der europäischen Politik haben dürfen". Es "gibt keine Rechtfertigung für eine solche Tat, selbst wenn die Politik Fortuyns aufs Schärfste zu verurteilen war", so Swoboda in einer Aussendung. (APA)