Standard: Was halten Sie von der internen Debatte um den SP-Spitzenkandidaten für die nächste Wahl? Cap: Es hat im Grunde nie eine Diskussion um den Spitzenkandidaten gegeben. In der SPÖ gibt es ja mehrere Teams, etwa auf Parlamentsebene den Klub, in der Partei die Geschäftsführerinnen oder das Präsidium, bei denen Alfred Gusenbauer an der Spitze steht. Gabi Burgstaller und Hans Niessl haben in Salzburg und im Burgenland sehr erfolgreiche Wahlkämpfe geführt und sind dabei in einer Teamstruktur aufgetreten. Sie haben nichts anderes gesagt, als auf Bundesebene die Bereichsspezialisten ebenfalls in ein Team einzubinden. Das war’s. In der Interpretation ist dann aus einem Team um Gusenbauer ein Spitzenteam mit Gusenbauer geworden. Das hat aber keiner so gesagt. Standard: Hat das Gusenbauer geschadet? Cap: Nein. Gusenbauer hat als Kanzlerkandidat bessere Umfragewerte als Schüssel seinerzeit als Vizekanzler. Die Diskussion sollte eher sein, ob die ÖVP mit Schüssel als Kanzlerkandidat in die nächste Wahl geht. In der SPÖ gibt es eindeutige Beschlüsse: Gusenbauer ist unser Kandidat. Standard: Ist Rot-Blau eine Option für die nächste Legislaturperiode? Cap: Weniger denn je. Die Debatte der letzten Tage war, wie verhält man sich zu einer FPÖ, die sich liberalisiert. Aber im Augenblick entwickelt sich die FPÖ genau in die entgegengesetzte Richtung, Stichwort Vermummungsverbot. Daher stellt sich die Frage überhaupt nicht. Standard: Wie wird die SPÖ ihren Wahlkampf anlegen? Cap: Wir werden sehr intensiv mit den Leuten reden, das Ohr für die Bedürfnisse der Bevölkerung öffnen. Und mit ihrer Hilfe darstellen, was die Politik der Regierung an Sozialabbau, an Rückschritten im Gesundheits- und Bildungswesen gebracht hat. Die Beschwichtungskampagnen, für die die Regierung Hunderte Millionen verschwendet, sind nicht unser Weg. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. Mai 2002)