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Foto: EPA/utrecht
Auch der Tod von Pim Fortuyn wirkt wie der Teil einer Inszenierung. Der niederländische Rechtspopulist wurde in der Medienstadt Hilversum erschossen. Sein Mörder lauerte ihm auf, nachdem der Politiker gut zwei Stunden lang mit Hörern des Radiosenders 3FM debattiert hatte. Fortuyn starb auf dem Parkplatz vor dem Rundfunkgebäude. Fortuyn lebte vom Echo, das er in den Medien fand. Telegen, charismatisch - so die Attribute für den Politstar. Der Volkstribun mit Glatzkopf brachte Spannung in langweilige Fernsehrunden. Er mischte die niederländischen Konsenspolitiker auf. Er lieferte den Bildmedien, was sie brauchten: gewinnendes Lächeln, Fotos mit Schoßhündchen, schillernder Glatzkopf, kubanische Zigarren, Daimler mit Chauffeur. Dabei wusste Fortuyn auch bezogen auf die Inhalte aus eigener Erfahrung, was die Medien wünschen: Bis zu seinem Eintritt in die Politik hatte er selbst für das politische Magazin Elsevier Kolumnen verfasst. Und er verband Bilder mit Inhalten: Nicht umsonst umgab er sich mit einer Entourage von fotogenen und gebildeten jungen Menschen aller Hautfarben. Seht her Leute, ein Rassist bin ich nicht! Locker und nicht zu provozieren Wegen seiner Erfahrung war Fortuyn auch im Umgang mit Journalisten professionell. Anders als der aufbrausende Franzose Jean-Marie Le Pen mit seinem Hang zur handgreiflichen Brutalität blieb Fortuyn fast immer locker und ließ sich nicht provozieren. Auch aggressive Reporterfragen beantwortete er freundlich und gelassen, mit Humor. Wenn er sie beantwortete. In den letzten Wochen war der Soziologieprofessor etwas weniger interviewfreudig geworden. Vor allem Anfragen aus den Niederlanden selbst wies Fortuyn immer öfter ab. Nachlesen, was Fortuyn dachte, kann man dennoch aus erster Hand, denn der rechte Intellektuelle war auch Buchautor. Dabei sind es weniger seine wissenschaftlichen Werke, sondern das Buch "Der Scherbenhaufen von acht Jahren Violett", das in der breiten Öffentlichkeit für Furore sorgte. Das 168 Seiten starke Druckwerk wurde im März vorgestellt und wurde als Fortuyns Abrechnung mit der seit acht Jahren die Niederlande regierenden "violetten" Koalition zum Beststeller. (jwo/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8./9. Mai 2002)