Wien - Im Zweifel gilt das gesprochene Wort aus dem Ministerium. So auch in der Frage der im neuen Universitätsgesetz geplanten Medizin-Unis. Sigurd Höllinger, Sektionschef im Wissenschaftsministerium, nutzte beim Montagsgespräch zum Thema "Die neue Universität. Die Pläne - Die Einwände" die Gelegenheit und stellte klar, dass alles noch unklar sei: "Es ist noch nicht entschieden, ob in der Regierungsvorlage Medizin-Universitäten enthalten sein werden. Das wird noch beraten." Damit wies Höllinger wiederholte Aussagen von FP-Wissenschaftssprecher Martin Graf, wonach die Umwandlung der medizinischen Fakultäten in Wien, Graz und Innsbruck unter Mitnahme der Pharmazie bereits beschlossene Sache seien, klar zurück. Abgesehen davon, präzisierte Höllinger, sei nie daran gedacht gewesen, andere Fächer aus den Mutterunis auszugliedern, sondern ausschließlich die medizinischen Fakultäten. Die Hoffnung der FPÖ, dass für eine "Gesundheitsuniversität" Gesundheitsminister Herbert Haupt (FP) zuständig sein würde, verwies Höllinger ins Reich der unerfüllbaren Wünsche: "Es ist überhaupt keine Frage, dass die Zuständigkeit auch für Medizin-Unis beim Wissenschaftsministerium liegen wird." Und dort residiert mit Elisabeth Gehrer eine VP-Frau. In diesem Zusammenhang wiederholte der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Georg Winckler von der Uni Wien, seine bereits in einem Standard-Interview geäußerte Befürchtung, dass die Medizin-Universitäten der Hebel für die FPÖ seien, mit dem sie endlich auch in den hohen Schulen des Landes Einfluss gewinnen könnte. Sei die FPÖ doch jene Regierungspartei, die "wenig bis nicht an den Universitäten verankert ist". Das mache die umstrittene Schaffung von eigenen Medizin- Unis - abgesehen von inhaltlichen Bedenken - zu einem "politischen Problem". In dieses Muster passe auch, so Winckler, dass sich die FPÖ gegen die von den Unis geforderte "Tiefengliederung" - also Entscheidungsebenen bis in niedrige Uni-Ebenen - so wehre. Denn wer in den obersten Uniorganen endlich mitmischen wolle, möchte sich nicht von nachgelagerten Unigremien stören lassen. Die Unireform an sich begrüße er prinzipiell, so Winckler, der immer für "konstruktiven Dialog mit dem Ministerium" eingetreten ist - und sich dafür auch einige Häme von seinen Kollegen gefallen lassen musste. Trotzdem beharrte Winckler darauf, dass die geplante "Dreiheit an der Unispitze" aus operativ tätigem Rektor, kontrollierendem Senat und dem Unirat, der die "gesellschaftlichen Interessen einmahnen soll", eine gute Idee sei. Was der Entwurf den Unis aber nicht gebe, sei die so dringende Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit, damit die Unis für einen europäischen Bildungs- und Forschungsraum, aber auch international, wettbewerbsfähig gemacht werden können. Ein desaströses Urteil fällte Winckler über die Kommunikation seitens des Ministeriums: Es habe ein massives "Vertrauensproblem" erzeugt, indem nach dem Motto "speed kills" ein Gesetzesentwurf mit "handwerklichen Fehlern" vorgelegt, zu wenig diskutiert worden und so ein "Klima des Misstrauens" entstanden sei. "Die Regierung ist gefordert, die Unis politisch zu gewinnen" und finanzielle Fragen zu klären, so Winckler. Sektionschef Höllinger, von Berufs wegen quasi verpflichtet, den Entwurf zu verteidigen, wies indes darauf hin, dass übliche Begutachtungszeiten eingehalten worden seien. "Die Universitäten sind am Beginn einer Renaissance", als "Ursache für die Ablehnung des Entwurfs" machte Höllinger "mangelndes Annehmen der Freiheiten", die die Reform den Unis offerieren würde, aus. Höllinger betonte aber auch, dass es "für ein solches Gesetz eine Grundakzeptanz durch die Betroffenen geben muss". Es werde daher zwar "keine Änderungen des Entwurfs als solchem, aber in einzelnen Bereichen geben". Diese Ankündigung betrachtete der Vorsitzende der Bundeskonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals (Buko), a. o. Professor der Physik, Reinhard Folk, mehr als skeptisch: Das Grundproblem des Entwurfs sei, dass es "nur um Ökonomisierung der Unis geht". Er lehne den Entwurf gänzlich ab, er sei auch nicht in Teilen korrigierbar, müsse also zurückgenommen werden. Es müsse ein "grundlegend neuer Geist der Reform" in das Gesetz. Anders als Rektor Winckler fürchtet Folk etwa, dass der Unirat "Tür und Tor für Parteipolitisierung und Lobby-Interessen öffnet", er sei somit schlicht ein "Steuerungsorgan" - wie die Leistungsvereinbarungen zwischen Uni und Ministerium -, über das die Regierung quasi durch die Hintertür trotzdem wieder in die Unis hineinregiere.