Der Heldenplatz wird am 8. Mai ab 12 Uhr mittags Sperrzone für alle sein. Für alle? Für Vertreter äußerst rechts stehender schlagender Burschenschafter nicht. Die dürfen in der Krypta des äußeren Burgtores ein "Heldengedenken" anlässlich der Niederlage des Dritten Reichs veranstalten. Sind ja nur drei bis fünf Personen. Fällt daher laut Innenministerium unter "Brauchtum". Zu diesem Brauchtum gehört freilich das gewisse Deutschtum, vertreten durch den FPÖ-Abgeordneten und Bundesheer-Brigadier Wolfgang Jung. Ein so erbärmliches Herumschwindeln um eine glatte Verhöhnung von Demokratie, Humanität und Österreich-Patriotismus muss man lange suchen. Am Abend geht's dann weiter: Fackelzug der Burschenschafter vom Josefsplatz in den Schweizerhof, also unter dem Fenster des Bundespräsidenten. Der "Wiener Korporationsring" jubelt: "WKR-Gefallenengedenken nicht untersagt! - Kranzniederlegung findet auch auf jeden Fall statt! - Polizeischutz vorhanden!" Genau. Und der Kanzler? Versucht abzulenken. Der 8. Mai sei ja gar nicht so wichtig, Österreich sei ja schon im April befreit worden. Von der Gesinnung, die er in die Regierung geholt hat, ganz offenbar nicht nachhaltig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. Mai 2002)