Bethlehem/Amman - Trotz Einigung im Konflikt um die Geburtskirche in Bethlehem hat sich auch am Mittwoch noch kein Ende der israelischen Belagerung abgezeichnet. Das Schicksal von 13 mutmaßlichen Extremisten in dem Gebäude blieb weiterhin ungewiss. Unterdessen soll der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, nach den Worten von Außenminister Colin Powell möglicherweise bereits nächste Woche in den Nahen Osten reisen. Powell sagte am Mittwoch in Washington, es müsse ein Ausweg aus dem israelisch- palästinensischen Konflikt gefunden werden, der am Dienstagabend in einem weiteren Selbstmord-Anschlag auf Zivilisten in Israel seinen Ausdruck fand. Tenet soll die Palästinenser-Polizei reformieren helfen, der Israel Komplizenschaft mit den Aufständischen vorwirft. Powell sagte auch, es werde nach Möglichkeiten gesucht, die Regierung der Palästinenser zu reformieren, die für die Verwaltung des autonomen Teils der israelisch besetzten Gebiete zuständig ist. Der US-Außenminister stellte aber klar, dass eine solche Reform aus Sicht der USA nicht notwendigerweise eine "Vorbedingung" für einen neuen Dialog zwischen Israelis und Palästinensern ist. Am Rande von Gesprächen mit seinem britischen Kollegen Jack Straw am Mittwoch in Washington sagte Powell, die Reform sei zwar "wesentlich". Doch sei mit dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon bei seinem Besuch in Washington "nicht im Detail" darüber gesprochen worden, "was eine Vorbedingung für etwas Anderes sein könnte". Dennoch machten Powells Bemerkungen deutlich, dass zwischen den USA und Israel Meinungsverschiedenheiten über den Kurs in der Nahost-Politik bestehen. Sharon hatte in Washington betont, dass die Reform der palästinensischen Institutionen eine "Vorbedingung für die Eröffnung politischer Verhandlungen" sei. Als Elemente der Reform hatte US-Präsident George W. Bush die Zusammenführung der verschiedenen palästinensischen Sicherheitskräfte zu einer einheitlichen Truppe, die Ausarbeitung einer Verfassung, die Bekämpfung der Korruption sowie ein funktionierendes Gesundheits- und Erziehungssystem genannt. Powell bekräftigte, dass die USA trotz der jüngsten palästinensischen Selbstmordanschläge weiter an einer politischen Lösung des Konflikts arbeiten wollten: "Egal, wieviele Militäroperationen man führt oder wieviele Selbstmordbomben gezündet werden, am Schluss müssen wir eine politische Lösung finden." Jordanien lehnt Aufnahme ab Unterdessen lehnt Jordanien eine Aufnahme der 13 Palästinenser aus der Geburtskirche ab, auch Italien erklärte, die Regierung behalte sich eine Prüfung vor. Die Konfliktparteien hatten sich Vortag darauf geeinigt, die 13 Männer nach Italien und 26 weitere in den Gazastreifen gehen zu lassen. Wie aus diplomatischen Kreisen in Bethlehem verlautete, wurde am Mittwoch über eine Ergänzung des Abkommens verhandelt. Danach sollten die 26 Palästinenser wie geplant in den Gazastreifen reisen, der Großteil der anderen rund 100 Eingeschlossenen sollte freikommen. Die 13 mutmaßlichen Extremisten sollten jedoch weiterhin in der Kirche bleiben, bis sich ein Land finde, das sie aufnehme, erklärte ein palästinensischer Polizist in der Kirche. Nach der Einigung vom Dienstag, die 13 Betroffenen nach Italien abzuschieben, erklärte die Regierung in Rom mittlerweile, sie sei nicht ausreichend unterrichtet worden und werde erst nach weiteren Informationen über Asyl für die Männer entscheiden. Vizeministerpräsident Gianfranco Fini sagte, er sei generell dagegen, die Palästinenser aufzunehmen. Auch Jordanien lehnte die Aufnahme der Männer ab. Wie die amtliche Nachrichtenagentur am Mittwoch berichtete, wies die Regierung in Amman eine entsprechende Anfrage zurück. Jordanien lehne die Ausweisung der Palästinenser ab, auch wenn diese nur zeitweise erfolge, erklärte ein Regierungssprecher dem Bericht zufolge. (APA/AP/Reuters)