Wien - Die Streitigkeiten rund um den 8. Mai haben ein gerichtliches Nachspiel. Der "Ring Volkstreuer Verbände" hat eine Verleumdungsklage gegen den geschäftsführenden SP-Klubchef Josef Cap, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) und SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures eingebracht. Diese hätten die Totengedenkveranstaltung am Jahrestag der Kapitulation von Hitler-Deutschland als "neonazistisch" eingestuft, begründeten Vertreter von Wiener Korporationsring, Freiheitlichen Studenten und Freiheitlicher Jugend am Freitag die Einleitung rechtlicher Schritte.Was ist schlimmer: Ein Plasterstein von links oder eine Parole von rechts? Ansonsten übten Johann Gudenus (RFJ), Arnulf Helperstorfer (RFS) und Walter Asperl (Korporationsring) heftige Kritik an den linksgerichteten Demonstrationen der letzten beiden Tage. Allein der Polizei sei es zu verdanken gewesen, dass es nicht neuerlich zu Ausschreitungen gekommen sei, erklärte Gudenus. Gleichzeitig übte er Kritik an Innenminister Ernst Strasser (V), weil dieser "Pflastersteine von links" und "Parolen von rechts" in einem Atemzug genannt hatte: "Was ist für einen Polizisten schlimmer. Ein Pflasterstein am Kopf oder eine Parole von rechts?" Asperl: "Österreich ist mein Mutterland, Deutschland mein Vaterland" Ausdrücklich in Schutz genommen wurde von Asperl der freiheitliche Wehrsprecher Wolfgang Jung nach dessen Aussagen, wonach er sich als Deutscher fühle. Nach Ansicht des Korporationsring-Vertreters handelt es sich bei den Angriffen auf den FP-Mandatar um "unglaubliche Diffamierungen". In Österreich könne sich gemäß Volksgruppen-Gesetz jeder zur deutschen Volksgruppe bekennen. Er selbst beschreibt seine nationale Gefühlswelt folgender Maßen: "Österreich ist mein Mutterland, Deutschland mein Vaterland." Nur kurz und erst auf Nachfrage nahm Helperstorfer zur umstrittenen Podiumsdiskussion von Donnerstag Abend Stellungen, an der in den Räumen des RFS auch der südafrikanische Rechtsextremist Claus Nordbruch teilgenommen hatte. Helperstorfer zu Folge habe der Gast aus Afrika über die Kriegsverbrechen an Deutschen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg referiert. Dem Obmann des Kärntner Heimatdienstes, Josef Feldner, wiederum habe zum Thema "Kollektivschuld und Sippenhaftung" gesprochen. Dass die Veranstaltung von der Uni Wien in ihren Räumen nicht genehmigt wurde, sieht Helperstofer als Sieg der Gewalt über die Meinungsfreiheit. Grüne: "Politischer Unfug" Für die Grünen ist die Verleumdungsklage, die der "Ring Volkstreuer Verbände" gegen SP-Klubobmann Josef Cap, Wiens Bürgermeister Michael Häupl und SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures eingebracht hat, ein "politischer Unfug". Eine Veranstaltung wie jene der Burschenschafter und der FPÖ vom 8. Mai, an der "Rechtsextreme und Neonazis teilgenommen haben", hätte sehr wohl verboten werden müssen, meinte der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz am Freitag in einer Aussendung. Es müsse Innenminister Ernst Strasser (V) im Nationalrat klar gemacht werden, dass jedes Auftreten von Neonazis ein Verstoß gegen das Verbotsgesetz sei, meinte Pilz. (APA)