Washington - US-Präsident George W. Bush und US-Notenbankchef Alan Greenspan haben Milton Friedman anlässlich seines bevorstehenden 90. Geburtstags als den bedeutendsten Volkswirt der letzten 100 Jahre geehrt. Bush bezeichnete den Wirtschafts-Nobelpreisträger bei der Ehrung im Weißen Haus am Donnerstagabend als "Helden der Freiheit", dessen ökonomische Visionen Amerika verändert hätten und die Welt noch veränderten. Greenspan nannte den früheren Berater der US-Präsidenten Richard Nixon und Ronald Reagan "den bedeutendsten Volkswirt" des 20. und möglicherweise auch des 21. Jahrhunderts. Wenn der für die US-Zinspolitik zuständige Fed-Offenmarktausschuss nur mit Milton Friedmans besetzt sein könnte, wäre er niemals besorgt, sagte Greenspan. Friedman-Fan Friedman ist als der bekannteste geistige Vater des so genannten Monetarismus ein energischer Verfechter freier Märkte und einer Geldpolitik, die das Geldmengenwachstum verstetigt. Der Volkswirt setzte sich immer wieder für niedrige Steuern, Privatisierung sozialer Sicherheitssysteme und anderer konservativer Politikansätze ein, die unter anderem auch die Grundlage für Bushs Politik bilden. Der US-Präsident bezeichnete sich als Friedman-Anhänger. Allerdings war Bush zuletzt wegen regulierender Eingriffe wie Zölle auf Stahlimporte unter anderem von Anhängern des Monetarismus in die Kritik geraten. Greenspan sagte, Friedmans Ansatz freier Märkte habe die Art, wie Notenbanker arbeiten, grundsätzlich verändert. "Wir sind in den Zentralbanken der Welt zu dem Schluss gekommen, dass ... man die Beschäftigung nicht nachhaltig durch eine expansive Geldmengenpolitik steigern kann", betonte der Fed-Chef. Friedman, der von 1946 bis 1976 an der Universität von Chicago lehrte, hielt in seiner Dankesrede auch Ratschläge für die US-Regierung bereit, die vor allem auf die jüngst wieder zunehmenden US-Staatsausgaben abzielten. Wer das Geld anderer für Dritte ausgebe, der achte nicht darauf, wie viel ausgegeben werde und wie gut es angelegt sei. "So ist der Staat nun mal", sagte Friedman, der seine Theorien zu einer Zeit entwarf, als wachsende Staatsausgaben gemäß der keynesianischen Lehre den Ruf genossen, für das Ende der weltweiten Depression in den 30er Jahren gesorgt zu haben. (APA/Reuters)