Wien - "Die Märkte in der EU geben derzeit nicht mehr her", rechtfertigt Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter, das wieder weniger gewordene Milchgeld, das den heimischen Bauern derzeit gezahlt wird. Auch eine Fusion der Milchkonzerne NÖM und Berglandmilch würde den Agrariern keine höheren Preise bescheren - ganz im Gegenteil: Weiter "deutlich niedrigere Preise" seien noch zu erwarten. Die "österreichische Milchlösung" wird von der Politik heftig herbeigewünscht, ist aber wie berichtet gescheitert. Nun wird voraussichtlich ein internationaler Player - kolportiert wurden Danone oder Arla - bei der NÖM einsteigen. Der Hintergrund: Im Vergleich mit den internationalen Riesen ist die heimische Molkereiwirtschaft zu klein strukturiert, obwohl sich die Zahl der dominierenden Unternehmen seit dem EU-Beitritt verkleinert hat. Heute verarbeiten acht Unternehmen 85 Prozent der Milch, vor sieben Jahren waren es doppelt so viele, schätzt Költringer. Einheitliche Trinkmilchmarke Der Sinn einer "österreichischen Lösung" wäre unter anderem mehr Macht im Verhandeln mit Handelsketten. Die Strategie würde aber nur aufgehen, glauben Insider, wenn sich die gesamte heimische Milchwirtschaft auf eine einheitliche Trinkmilchmarke einigen würde, um deren Produktion exklusiv beliefern und so beim Handel höhere Preise durchsetzen zu können - denn die Konsumenten präferieren eindeutig heimische Trinkmilch. Die heimischen Milchverar- beiter mussten 2001 mit durchschnittlich 37,3 Cent pro Kilogramm Milch die höchsten Abnahmepreise seit dem EU-Beitritt - diktiert auch von der Knappheit in Europa - verkraften. Der Handel setzte aber durch, dass das Preisni- veau - im Vorfeld der sensiblen Euroeinführung - gleich blieb. Jetzt liegt der Preis bei 32 Cent - eine Gelegenheit, sich von den Bauern wieder etwas zurückzuholen, heißt es hinter den Kulissen. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 11.5.2002)