Wien - Begonnen hat alles mit einem stinklangweiligen Seminar. Neben 40 Männern fadisierte sich Maria Rauch-Kallat, damals Wiener ÖVP-Gemeinderätin, in der Politischen Akademie der ÖVP - und hatte ein Aha-Erlebnis: "Kein Wunder, dass zu so etwas keine Frauen kommen", dachte sie sich, hörte nicht mehr länger zu, schrieb auf die Schnelle ein Konzept für eine Politische Akademie für Frauen und legte es am selben Abend Erhard Busek, damals Wiener ÖVP-Obmann, vor.Trachtenmode . . . Das war vor 17 Jahren. Und nun feiert 15. Geburtstag, was nach zweijährigem Konzeptieren und Diskutieren aus dem Aha-Erlebnis wurde - der "Club Alpha". Ein Frauenverein, mit dem Rauch-Kallat beweisen wollte, dass Frauenpolitik keine linke Domäne sein muss, und andererseits ein Frauennetzwerk aufbauen wollte, in dem Frauen Ideen entwickeln und umsetzen können. Dass der "Club Alpha" überparteilich sein soll, hindert Rauch-Kallat nicht daran, sich zu freuen, dass "viele gute Frauen für die ÖVP daraus hervorgegangen sind". "Trachtenmode mitten in Wien" oder "ist Beauty machbar" und "Frauen und Geld" - neben eher betulichen Diskussionsrunden wie diesen sollen sich Frauen im "Club Alpha" vor allem zu einem zusammenfinden: um die "Karriere zu planen", wie es Obfrau Rauch-Kallat nennt. . . . und Karriere Helfen dabei soll die "Maria-Schaumayer-Stiftung", in deren Rahmen Führungskräfte ihr Know-how weitergeben und das Netzwerk stärken sollen. In eher kleiner Runde: 48 aktive Mitglieder hat "Alpha" derzeit, beim Geburstagsfest am Dienstag werden 23 neue aufgenommen - und damit der Ableger für jüngere Frauen "Alpha Giovane" inhaliert. Damit sieht Rauch-Kallat das größte Problem, das Generationenproblem, gelöst. Die politische Konkurrenz, SPÖ-Frauensekretärin Bettina Stadlbauer, sieht etwas anderes als das viel größere Manko des Clubs: "Rauch-Kallat schmückt sich gerne mit ,Alpha' - ignoriert den Verein aber, wenn er politische Forderungen entwickelt." Diesen Vorwurf der politischen Marginalität des "Club Alpha" will Rauch-Kallat nicht auf sich sitzen lassen. Für sie ist ein Gegenbeweis, dass der "Club" bald nicht mehr Ziel von Männerwitzen, sondern von eher ängstlichem Spott à la "die schwarzen Hexen" wurde. Und links will sie ja nicht sein, sondern definiert als Motto: "Wir sind bürgerlich, aber sicher nicht blaustrümpfig." DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 11./12.05.2002