München - Minicomputer für die Hemdentasche, Armbanduhren mit Internetzugang, Handys als Infostationen - was vor kurzem noch als Zukunftsmusik galt, ist durch den atemberaubenden Wandel in der Informations- und Kommunikationstechnik schon bald alltäglich. Die wichtigsten Markttrends, Produkte und neuesten Anwendungen werden von diesem Montag an auf der Fachmesse für Informationstechnologie und Telekommunikation Systems 99 in München gezeigt. Es ist die größte Branchen-Herbstmesse Europas. Der Boom in der Computer- und Kommunikationstechnikbranche heizt die Wirtschaft an. Die Systems spiegelt die positive Entwicklung wider und präsentiert sich als eine Messe der Superlative mit einer Rekordzahl von 2 709 Ausstellern. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. 135 000 Besucher werden erwartet - mehr als je zuvor. Anstieg Der deutsche und europäische Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) bestimmt derzeit weltweit das Wachstumstempo. Die Dachorganisation der europäischen ITK-Verbände EITO (European Information Technology Observatory) geht für 1999 von einem Anstieg um fast zehn Prozent auf 843 Mrd. DM und für das nächste Jahr von rund neun Prozent auf 918 Mrd. DM (469 Mrd. Euro/6,454 Bill. S) aus. "Die Zuwachsraten würden sogar noch höher ausfallen, wenn es ausreichend qualifiziertes Personal gäbe", klagt der EITO-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Allein in Deutschland zähle die Branche 75 000 offene Stellen. In der Europäischen Union werden laut Marktforschungsstudien 2002 rund 1,6 Mill. Arbeitsplätze unbesetzt sein. Software-, Multimedia- und Internet-Fachkräfte fehlen. Als Ursachen für das Nachwuchsproblem werden auch fehlende Informationen über Berufsperspektiven und teilweise nicht mehr zeitgemäße Ausbildungswege in Studium und Lehre genannt. "Die Industrie hat zurzeit wenig Hoffnung auf eine mittelfristige Lösung dieser Misere, die die Branche in Deutschland in einen Produktivitätsstau und globalen Wettbewerbsnachteil manövrieren könnte", sagt Joachim Enßlin, Geschäftsführer der Messe München GmbH. An diesem Montag ist deshalb Jobtag auf der Systems. Es werden nicht nur mehr als 1.000 Jobs angeboten. Es gibt auch Gespräche mit Personalchefs der ausstellenden Firmen sowie Diskussionsforen und Aktionen, unterstützt von der Bundesanstalt für Arbeit, Verbänden und politischen Institutionen. Der Weg ins Internet soll künftig nicht mehr nur über den Computer führen Das Internet, der Mobilfunk, freie Softwareprojekte und elektronischer Handel treiben die Entwicklung der Branche voran und bilden die Schwerpunkte der Messe. Der Weg ins Internet soll künftig nicht mehr nur über den Computer führen. Netzinhalte gelangen künftig auch auf den Fernsehschirm, in die Spielkonsole oder das Handy. So präsentieren Hersteller die ersten Mobiltelefone des WAP (Wireless Application Protocol)-Standards mit Internetzugang. Damit ist es möglich, Börsenkurse, Fahrpläne, Kontostände, Reisebuchungen auf das Display des mobilen Telefons zu übertragen oder elektronische Post zu versenden. Zugleich werden tragbare Computer vorgestellt, die noch kleiner, schneller, leichter als ihre Vorgänger sind und mehr Funktionen wie das Funktelefon enthalten. Bis zum 22. Oktober können Fachbesucher und Interessierte das Systems-Angebot auf dem neuen Münchner Messegelände nutzen und sich in 500 Vorträgen informieren. Erstmals präsentieren sich parallel im benachbarten Kongresszentrum ICM die Münchner Medientage (18. bis 20. Oktober). Diskussionsschwerpunkt ist das Zusammenwachsen von Medien und Internet. Angeschlossen ist eine "Ausbildungsstraße", auf der sich Schulabgänger und Studienanfänger auch dort über Berufsbilder in der Medienbranche orientieren können.(dpa)