Spielberg – Die Oper von Spielberg endete mit Pfiffen und Buhrufen. Michael Schumacher war so freundlich und überließ Rubens Barrichello, dem er freilich den Sieg nicht überlassen hatte, den mittleren Platz auf dem Siegespodest. Der Brasilianer heulte in die Welt hinaus, Michael Schumacher bekam von Bundeskanzler Schüssel den Siegespokal überreicht. Der vierfache Weltmeister tilgte also mit Teamhilfe seinen letzten weißen Fleck auf der Siegeskarte seiner Formel-1-Karriere. Es handelt sich um seinen 58. GP-Sieg, seinen fünften im sechsten Saisonrennen 2002, in der Weltmeisterschaft führt er mit 54 Punkten überlegen vor Juan Pablo Montoya (27), der Dritter wurde.

Umstrittene Teamentscheidung

Barrichello: "Es war eine Teamentscheidung, ich muss das akzeptieren. Ich bin das auch schon gewohnt." Im Vorjahr musste er Schumacher auf den zweiten Platz vor lassen. Schumacher: "Es war eine Teamentscheidung, ich muss das akzeptieren. Ich bin nicht erfreut. Auf der Strecke hatte ich nie eine Chance, Rubens zu überholen. So hab' ich mir meinen ersten Sieg in Österreich nicht vorgestellt. Das wird jetzt vermutlich diskutiert werden in den Medien. Aber das gab es immer schon im Rennsport."

Rauch, Qualm und Blechsalat

Das scharfe Eck nach dem Start namens Castrol-Kurve, die das beschleunigende Rudel nach rechts zwingt, und in der schon des öfteren ein Blechsalat angerichtet worden war, meisterten die Herrschaften ohne Fehl und Tadel, am flottesten meisterten die Ferrari-Piloten. Barrichello verteidigte die fünfte Pole-Position seines Lebens, in seinem Sog bog Schumacher ab, der von der dritten Position gestartet war. Hinter dem Dritten pflegt der Fünfte zu stehen, das war diesmal überraschenderweise Nick Heidfeld im Sauber-Patronas, und dieser wiederum saugte sich am Heck von Michael Schumacher an den beiden BMW-Williams von Ralf Schumacher und Juan-Pablo Montoya vorbei und verließ die Castrol als Dritter. Die Hierarchie allerdings wurde rasch wieder hergestellt. Ralf Schumacher und Montoya schnappten sich Heidfeld, was aber nichts daran änderte, dass der Rückstand auf die Ferrari ständig wuchs. Dass Kimi Raikkonens McLaren-Mercedes rauchend seinen Geist auf gab, tat nichts zur Sache, doch als der BAR-Honda von Olivier Panis auf der Zielgeraden einging und mitten auf dieser qualmend liegen blieb, griff sicherheitshalber das Safety-Car ordnend wie nivellierend ein, die Ferrari nützten die Phase als erste zum ersten Service, sie sollten als einziges Spitzenteams zweimal in die Werkstatt.

Wunder oder sichere Technik

Der Schock: Heidfelds Sauber brach beim Anbremsen der Remus aus, flog an der Innenseite der Restgeraden am Pulk vorbei, um unmittelbar nach dem Kurvenscheitel die Piste zu queren, verfehlte Montoya um einen Hauch, krachte mit weit mehr als 200 km/h in die Seite des völlig unvorbereiteten Takumo Sato im Jordan-Honda. Die Fetzen flogen. Während Heidfeld den Trümmern seines Autos entstieg, der Japaner erstversorgt wurde, drehte der Rest hinter dem Safety Car seine Runden. Sato wurde mit dem Rettungswagen abtransportiert, bald kam die Entwarnung aus der Jordan-Box: Sato plaudere und scherze unverletzt. Die Rede war vom Wunder, sollte aber schon eher eines der Sicherheitstechnik sein. (DER STANDARD-Printausgabe, Montag 13. Mai 2002, Benno Zelsacher)