Zwei niederländische Weltautoren, Harry Mulisch und Leon de Winter, haben in Interviews den ermordeten Populisten Pim Fortuyn in Schutz genommen. Er habe "nichts Bösartiges" an sich gehabt, sagt Mulisch, er verfolgte keine zerstörerischen Ziele. De Winter wies darauf hin, dass Fortuyn niemals behauptet habe, jemand sei aus rassischen Gründen minderwertig - er habe nur konstatiert, dass sich der Islam im Gegensatz zum Christentum und Judentum allen Trends der Moderne verschließe und deshalb eine "rückständige Religion" sei. Wobei dazuzusagen wäre, dass jede Religion mit Absolutheitsanspruch, die die gesamte Gesellschaft umfassen will, ein Rezept für Rückständigkeit ist - siehe etwa Österreich und den Katholizismus bis vor rund 100 Jahren. Fortuyn scheint eher ein intellektueller Provokateur gewesen zu sein als ein aggressiver Nationalist. Er wurde auch wütend, wenn man ihn mit Haider oder Le Pen verglich. Das ändert allerdings nichts daran, dass ihn ein guter Teil seiner Anhänger anders, primitiver, verstand, als er es wollte. Somit war er einer, vor dem man sich persönlich wohl nicht fürchten musste, wohl aber von den Stimmungen, die er anzog. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 05. 2002)