"Zielscheiben sind wir alle!" Diesen Satz prägte der Präsident von CNN International Networks, Chris Cramer, am Sonntag auf dem Weltjournalistenkongress in Laibach. Hauptthema des letzten Kongresstages waren die oft tödlichen Gefahren, denen Journalisten und andere Medienvertreter in Krisengebieten ausgesetzt sind. Cramer war selbst nicht anwesend, sondern wurde per Videokonferenz aus Atlanta zum Kongress geschaltet. An dem vom Internationalen Presse-Institutes (IPI) veranstalteten dreitägige Kongress nahmen 460 Journalisten aus 64 Ländern teil.Argentinier Jorge Fascetto neuer IPI-Vorsitzender Parallel zu den Diskussionen fand die 51. Generalversammlung des im Jahre 1950 gegründeten IPI statt. Zum neuen Vorsitzenden des Instituts wurde der Argentinier Jorge Fascetto gewählt. Der bisherige Vorsitzende, der Chefredakteur der "Neuen Zürcher Zeitung", Hugo Bütler, übergab am Nachmittag im Rahmen einer Feier den diesjährigen IPI-Preis für freie Medien an die im Jahre 1997 gegründete unabhängige Belgrader Tageszeitung "Danas". Die Zeitung stand unter dem Milosevic-Regime unter starkem Druck. Ein Journalist der Zeitung wurde unter bisher ungeklärten Umständen ermordet, ein anderer verbrachte fünf Monate im Gefängnis. Die Zeitung beharrte damals jedoch auf kritischer Berichterstattung und behielt ihre Unabhängigkeit. Regierungen über massiven Druck aus In der Diskussion über die Gefahren des Journalismus, die vom Chefredakteur des britischen Privatsenders ITN, Richard Tait, geleitet wurde, wurde festgehalten, dass Journalisten trotz zahlreicher Sicherheitsmaßnahmen immer wieder sterben würden. Aus dem am 3. Mai erschienenen IPI-Bericht geht hervor, dass im vergangenen Jahr 55 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs ihr Leben verloren. Der Tenor der Teilnehmer war, dass auf Regierungen Druck ausgeübt und verlangt werden müsse, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Vorbereitung und entsprechende Ausrüstung Verantwortliche Redaktionen allerorts wurden ermahnt, Mitarbeiter, die in Kriegsgebiete gesandt werden, entsprechend vorzubereiten und auszurüsten, beispielsweise mit kugelsicherer Kleidung und Helmen. Wenig erfahrene, jüngere Kollegen und freie Mitarbeiter seien besonders gefährdet. Der Journalist Rafael Marques aus Angola verwies darauf, dass in den Krisengebieten nicht nur ausländische Reporter, über die hauptsächlich gesprochen wird, sondern auch einheimische Journalisten bei der Arbeit immer wieder ihr Leben riskierten. Die Zustände der Gesellschaft reflektieren Der Direktor des IPI, der österreichische Journalist Johann P. Fritz, sagte am Ende der Veranstaltung, der Kongress sei vor allem für Südosteuropa von Bedeutung gewesen. Der kroatische Präsident Stipe Mesic, machte zu Beginn des Kongresses klar, dass die Vereinnahmung der Medien durch Politik und Parteien aufzuhören habe. Genau das brauche diese Region, meinte auch Fritz, denn die Aufgabe der Medien sei es, die Zustände in der Gesellschaft zu reflektieren. Der Kongress habe auch zur Vernetzung zwischen mehr als 100 Chefredakteuren und führenden Medienleuten aus Südosteuropa beigetragen. "Pressefreiheit-Missionen" Zu den Ergebnissen des Kongresses gehört der Beschluss des IPI-Vorstands, so genannte "Pressefreiheit-Missionen", zunächst nach Nepal und Venezuela, zu entsenden. Laut Fritz herrscht Pressefreiheit nur in einem Drittel der Welt, das zweite Drittel kenne sie nicht und im Rest befinde sie sich in einer Krise oder in einer Übergangszeit. Dort, wo die Pressefreiheit grob verletzt werde, müssten internationale Journalistenorganisationen Solidarität zeigen und zur Hilfe bereit stehen. (APA)