Wien - Unter Abwandlung des Mottos "Eine andere Welt ist möglich", wird im Laufe des heurigen Jahres die globalisierungskritische Agenda des Weltsozialforums (WSF) von Porto Alegre (Brasilien) zum internationalen Exportartikel. In Europa, Afrika und Asien sollen dem WSF eigene Sozialforen folgen, die sich den spezifischen politischen und sozialen Problemstellungen der Regionen widmen. Ziel von Hunderten zivilgesellschaftlichen Organisationen, die hinter dem WSF als Organisatoren stehen, ist das Aufzeigen "solidarischer Wirtschaftsmethoden", verstanden als Alternative zum "herrschenden Neoliberalismus", sagte Leo Gabriel, Leiter des Ludwig Boltzmann Institutes für Lateinamerikaforschung, am Montag vor Journalisten in Wien. Vorbereitungstreffen Um das Europäische Sozialforum (ESF) vorzubereiten, das vom 7. bis 10. November 2002 in Florenz stattfinden wird, wurde am Wochenende in Wien ein international besetztes Vorbereitungstreffen mit rund 200 Delegierten aus 28 europäischen Ländern abgehalten. Besonderes Augenmerk lag auf der erstmaligen Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Mittel- und Osteuropa in den Porto-Alegre-Prozess. Einen zweiten Schwerpunkt bildete die Planung und Koordination der verschiedensten Veranstaltungen und globalisierungskritischen Aktionen im gesamteuropäischen Raum, bei denen in Zukunft auch österreichische Nichtregierungsorganisationen eine gewichtigere Rolle einnehmen wollen. Die Themenpalette reicht dabei von der gewerkschaftlichen Forderung einer gleichwertigen Verankerung einer europäischen "Sozialunion" neben der Wirtschafts- und Währungsunion bis hin zu Aktionen gegen den "Ausverkauf der Bildung", ein Anliegen der Hochschülerschaft. Die globalisierungskritische Organisation Attac will beim ESF das heftig kritisierte Dienstleistungsabkommen (Gats) der Welthandelsorganisation thematisieren. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 14.5.2002)