Die FPÖ hat eine Falle aufgestellt. Es ist eine treffliche Plattform geschaffen, um gegen alle Gutmenschen des Landes herzuziehen. Die Grazer Stadtpartei hat eine "Bürgerwehr" gegründet. Diese FPÖ-Schutztruppe, die am Montag ihren ersten Dienst schob, soll potenzielle Drogendealer ausspionieren, Rowdys in Straßenbahnen oder Betrunkene in Parks zur Räson bringen. Der Hauptzweck aber: Sie dient - das sei unterstellt - vorerst ausschließlich als Vehikel, um die fußmarode Grazer FPÖ vor den Grazer Gemeinderatswahlen im Jänner 2003 wieder in Schwung zu bringen. In zweiter Linie auch, um ÖVP-Innenminister Ernst Strasser eins auszuwischen.

In dieser Bürgerwehr-Idee steckt aber mehr, vor allem viel Konfliktpotenzial, das die FPÖ im beginnenden bundesweiten Wahlkampf nutzen möchte. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider plant ja bereits eine landesweite "Drogenschutztruppe", auch Niederösterreichs FPÖ und Linz zeigen Interesse.

Berechtige Kritik an der Bürgerwehr, die einer Missachtung des Rechtsstaates und seiner Sicherheitsinstitutionen gleichkommt, wird die FPÖ freuen. Die Blauen können sich darauf verlassen, dass nicht wenige - vor allem auch ältere Bürger - gratulieren werden: "Na, die tun wenigstens was gegen die schwarzen Drogendealer." Worauf FPÖ-Politiker dann ergänzen können: "Und die Gutmenschen sind schon wieder dagegen." Das alte Spiel.

Solange alles in rechtlich korrekten Bahnen abläuft, kann gegen diesen Unfug nichts unternommen werden. Wie harmlos die "Bürgerwehr" ist, wird sich erst herausstellen. Sollte dieses krause "Bürgerschutzprojekt" eskalieren und es zu Konflikten kommen, ist die Sache klar: Dann werden die Fallensteller der FPÖ die Verantwortung übernehmen müssen. Und nur sie.