Wien - Der Kauf einer Wohnung in einem älteren Haus ist oft damit verbunden, dass die Einrichtungen nicht dem Stand der Technik entsprechen. Für die Sanierung desolater Türen und zu schwach dimensionierter Installationen muss aber nicht der Käufer, sondern die Eigentümergemeinschaft aufkommen.Wer die Kosten trägt, hängt davon ab, ob die Baumaßnahme der Erhaltung des Hauses und der darin befindlichen Wohnungen oder nur der Veränderung einer Wohnung dient. Für den Erhaltungsaufwand in einer Wohnung hat nach dem Gesetz die Gemeinschaft aufzukommen - auch wenn die Erhaltung nicht allen Wohnungseigentümern zugute kommt. Standardverbesserungen sind hingegen vom jeweiligen Wohnungseigner zu zahlen. Nicht nur Schäden Sowohl das Wohnungseigentumsgesetz (WE-G) als auch das Mietrechtsgesetz (MRG) treffen hier Regelungen. Nach der Rechtsprechung zählen beispielsweise die Kosten der Brauchbarmachung von WE-Objekten nicht zu den Erhaltungsarbeiten. Diese beschränken sich innerhalb einzelner WE-Objekte auf die Behebung "ernster Schäden" des Hauses. Zur Behebung ernster Schäden (z. B.Leitungsgebrechen) gehören auch alle damit im Zusammenhang stehenden Vor-und Nacharbeiten - wie die Wiederherstellung von Tapeten, Malerei und Verfliesung. Als Erhaltungsarbeiten anerkannt sind auch Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs, etwa die Aufbringung eines äußeren Fassadenwärmeschutzes und der Einbau neuer Fenster. Auch die Installation einer neuen Steigleitung zählt dazu, wenn die bestehende Leitung zu schwach ist, um nach dem heute üblichen Standard eine Wohnung zu beleuchten und - gleichzeitig - die heute in einem Haushalt üblichen Elektrogeräte (wie Waschmaschine, Geschirrspüler, Kühlschrank, Bügeleisen oder Fernseher) zu benützen. Sind in der neu gekauften Wohnung aus den 50er-Jahren also die Rollläden morsch, so ist der Austausch aus der Rücklage der Wohungseigentumsanlage zu finanzieren. Doch auch die reine Erneuerung von alten Fenstern und Türen kann, wenn sie dem heutigen Stand der Technik nicht mehr entsprechen, eine Erhaltungsarbeit sein. Voraussetzung ist, dass sie sich in keinem funktionsfähigen Zustand mehr befinden. Derartige Erhaltungsarbeiten können dann auch gegen den Widerstand der Eigentümermehrheit - im Außerstreitverfahren - durchgesetzt werden. Einzig die Dringlichkeit und Finanzierbarkeit sind hierbei zu berücksichtigen. (DER STANDARD, Printausgabe 14.5.2002)