Der Deutsche Bundesgerichtshof (BGH) hat das Recht der Presse gestärkt, mit Bildern Prominenter zu werben. Auch wenn ein Bild zu Werbezwecken eingesetzt werde, könne seine Verwendung von der Pressefreiheit geschützt sein, entschied am Dienstag der BGH im Prozess um einen Fernseh-Werbespot der "Bild"-Zeitung mit einer Aufnahme von Marlene Dietrich. Das Gericht wies damit die Klage von Maria Riva, der einzigen Tocher der 1992 gestorbenen Schauspielerin, gegen den Axel Springer Verlag ab. Der eine Sekunde kurze Ausschnitt aus einer Wochenschau von 1959 zeigte Marlene Dietrich zusammen mit Hildegard Knef und war in einem 18-Sekunden-Werbespot enthalten, mit dem "Bild" im Februar 1999 in zwei Sendern für seine Ausgabe mit dem Sonderteil "50 Jahre Deutschland" geworben hatte. Darin hatte "Bild" unter anderem an den Deutschlandbesuch der Dietrich im Jahr 1960 erinnert. Andere Maßstäbe Der VI. Zivilsenat des BGH bekräftigte in der Verhandlung am Dienstag, dass die Werbung für ein Presseprodukt unter dem besonderen Schutz der Pressefreiheit steht. Deshalb sei ein Werbespot für einen Zeitungsverlag mit anderen Maßstäben zu messen als etwa für ein Waschmittel. Denn dabei sei auch das Informationsinteresse der Öffentlichkeit zu berücksichtigen. Zwar bestätigte der BGH seine frühere Rechtsprechung, wonach das Persönlichkeitsrecht von Marlene Dietrich auch über ihren Tod hinaus wirkt und - einschließlich seiner "vermögenswerten Bestandteile" - von der Tochter als Alleinerbin geltend gemacht werden kann. Allerdings gaben die Richter in diesem Fall der Pressefreiheit den Vorrang. Damit hob der BGH ein Urteil des Oberlandesgerichts München auf, das der Dietrich-Tochter Recht gegeben hatte. Bei "unvorteilhaften Darstellungen" haben die Betroffenen Vorrang Der Senatsvorsitzende Wolf-Dieter Dressler machte jedoch in der Verhandlung deutlich, dass damit nicht jegliche Verwendung von Prominentenbildern für die Eigenwerbung der Presse erlaubt sei. Bei "unvorteilhaften Darstellungen" oder aus dem Zusammenhang gerissenen Aufnahmen könnten die Rechte des Betroffenen den Vorrang haben. Das gelte vor allem dann, wenn ein Prominenter so präsentiert werde, als identifiziere er sich mit dem Produkt. (APA/dpa)