Wenigstens ein Gutes hat die nun mit einer Zangengeburt hervorgebrachte österreichische Buslösung: Der Postbus bekommt endlich einen Eigentümer, der vom Nahverkehr etwas versteht. Denn bei aller Wertschätzung für die Verstaatlichtenholding ÖIAG, aber diese hat Erfahrung in der Industrie, aber keine Ahnung vom öffentlichen Nahverkehr. Insgesamt unterscheidet sich der nun geborene "Bahnpostbus" aber nicht wesentlich von anderen Österreich-Lösungen wie etwa beim Strom: Sie wurde mit viel Krampf und noch viel mehr Trara zusammengeschustert, bietet aber praktisch keine Verbesserungen für Konsumenten und Steuerzahler. Im Gegenteil: Mehr als 15 Jahre nach Schaffung der Post-Bahnbus-Konstruktion namens Bundesbus durch den damaligen Verkehrsminister Rudolf Streicher gibt es wenig Grund zur Annahme, dass der neue Bahnpostbus kostengünstiger wirtschaften und dabei bessere Services liefern wird als bisher. Das kommt nicht von ungefähr, denn im Prinzip müssen nun zwei Lahme einen Marathon laufen: der defizitäre Postbus, der immerhin schon auf Sanierungskurs herumkurvt und mit den Verkehrsverbünden vernünftig zusammenarbeitet. Und der halb so große, wahrscheinlich noch unrentablere Bahnbus, für den es in der ÖBB-Bilanz bisher nicht einmal brauchbare Zahlen gab, weil der Kraftwagendienst der Bundesbahnen bis dato nicht als Profitcenter geführt wurde. Dass der Moloch mit seinen Überkapazitäten auf allen Ebenen ein schlagkräftiger Player im Nahverkehr wird, ist nicht zu befürchten. Denn der Riese wird vorher "ausgebandelt", er muss Linien an private Konkurrenten abgeben. Den Rest wird die Bürokratie der ÖBB besorgen, deren Effizienz und Flexibilität allen Fahrgästen täglich Freude bereitet. Billiger wird's nicht. (DER STANDARD, Printausgabe 15.5.2002)