Nicht nur im - vergleichsweise - unterentwickelten Österreich rechnen die Privatbankiers mit fetten Zuwachsraten. Selbst nach der monetären Vernichtung Zigtausender neuer Millionäre durch das Platzen des Internet-Hype an den Börsen und durch die mittlerweile schon zwei Jahre andauernde Aktienflaute rechnen auch konservative internationale Studien, wie etwa ein Branchenreport der Société Generale, mit etwa acht Prozent Wachstum bei den Vermögensverwaltern und Privatbankiers. Die Berater von Arthur Andersen stellten heuer in einer Marktstudie ein Plus von je 15 Prozent bis 2004 in Aussicht. Dabei liegt dem Florieren ein weltweiter Zuwachs an Reichen (siehe Tabelle) ebenso zugrunde wie Bedürfnisse, die immer mehr Menschen teilen: Altersvorsorge und Altersversicherung. Dazu haben immer weniger Gutverdienende Kinder, sind Aktienoptionen für Firmenchefs in Mode und haben immer mehr Mittdreißiger ihre Konsumbedürfnisse so weit gestillt, dass sie Finanzpläne in Angriff nehmen wollen. Die Kundenpyramide Das hat in den 90er-Jahren Bankkonzerne zum Zukauf von Privatbanken gebracht, hat einen Jobboom im Private Banking ausgelöst und zeitigt jetzt einen Kampf um die Kunden. UBS und Credit Suisse sind die Hechte im weltweiten Karpfenteich der Vermögensmanager. Was International Wealth Management und Private Banking heißt, lässt sich gegeneinander nicht wirklich scharf abgrenzen. Das Geschäftsfeld ist praktisch das gleiche: das Akquirieren von Kunden, für die sie das Geld im gesamten Universum der Anlageprodukte managen. Um die Zielgruppe etwas besser zu fassen, teilt die Branche die Klientel allerdings ein. Dabei gehen die Banker davon aus, dass innerhalb eines Kundensegments ähnliche Veranlagungsbedürfnisse bestehen. PriceWaterhouseCoopers (PwC) hat gemeinsam mit dem Economist Intelligence Unit eine grundlegende Kundenpyramide erstellt. Demnach gehören die High Networth Individuals (HNWIs) zur begehrten Spezies der Privatbankiers. Davon gibt es mittelmäßig viele. Sehr selten sind die Ultra-HNWIs (siehe Pyramide) , die mit 50 Mio. Dollar ankommen. Obwohl: Die wirklichen Milliardäre geben ihr Geld nicht einer Bank, da fällt für mehrere etwas ab. Dass das Geschäft lukrativ ist und gute Margen bringt, zeigen die Gebühren. Sie starten von 0,5 Prozent aufwärts - je nach Anlageform. Die Menge ist "anstrengend" High Networth Individuals (HNWIs) werden mit etwa 500.000 Dollar Barem definiert. Dieses Segment wächst auch beträchtlich. Eine sich recht rasch verbreiternde Basis bilden aber die "Mass Affluents", also das Massengeschäft - Menschen mit rund 100.000 Dollar (oder Euro), die ihr Finanzmanagement suchen. Dieses am wenigsten wertvolle Beutetier der Vermögensverwalter ist zwar häufig, aber recht unbequem. Sie wollen intensive Betreuung, die Investitionsentscheidung nicht der Bank überlassen und noch dazu regelmäßig mit Produktexperten über ihre Anlagevehikel sprechen. Dazu sind sie meist noch mit den Gebühren unzufrieden. All das hat eine Marktstudie von Arthur Andersen in Deutschland ergeben. Manche Vermögensverwalter teilen ihre Zielgruppe auch in "altes" und "neues" Geld ein, also Erben und Entrepreneure. "Mass Affluents" und "neues Geld" haben demnach ein aggressiveres Anlagebedürfnis, das stärker auf Ertrag und Performance ausgerichtet ist. "Altes Geld" strebt gemeinsam mit den wirklich Superreichen eher nach Sicherheit und kontinuierlichem Verwalten des Bestandes. Daraus leiten die Geldberater ihre grundlegenden Strukturen für die Streuung des Vermögens ab. Eben welcher Anteil in Aktien, Anleihen, Immobilien, in Cash oder in verschiedene alternative Anlageformen (wie Hedge Fonds, Venture Capital etc.) investiert wird. Also etwa mehr Aktienanteil für Risikobereitere. Konservative Investments wie Anleihen für Generationengeld. Gleichzeitig spielen auch Kulturkreis und Sozialisation eine große Rolle. Den Kunden zu kennen, ist für Privatbanker so wichtig wie für Ärzte, um Adäquates anbieten zu können. Möglichst gefällige Kundenbindung wird mitgeliefert. Das reicht vom Golfturnier, dem Konzert, ein paar Tagen auf einer Yacht vor Monte Carlo während der Formel I bis zum Organisieren von großen Events für weltweit verstreute Familienmitglieder einer Milliardärssippe. Die Zirkel des Geldes weltweit Wie die geldbringende Zielgruppe der Branche weltweit aussieht, erhebt jährlich der World Wealth Report von Cap Gemini Ernst & Young gemeinsam mit Merrill Lynch. Demnach waren 1999 weltweit sieben Millionen Menschen 25,5 Bio. Dollar schwer - um 19 Prozent mehr als ein Jahr davor. Aufgrund verlangsamten Wirtschaftswachstums ist auch das Plus an neuen Reichen gebremst, trotzdem entwickelt sich der Trend weiter. Im Vorjahr gingen die Studienautoren von plus je acht Prozent im Bereich der HNWIs weltweit bis 2005 aus. Beachtliche Aussichten in einem insgesamt mageren Wirtschaftsumfeld. Im Branchenreport ( "Show me the money" ) nimmt die Société Generale an, dass sechs bis sieben Billionen Dollar - also ein Viertel des weltweiten Vermögens - offshore (also nicht im Heimatland) gemanagt werden. Dabei ist die Schweiz der Geldplatz, an dem etwa 2,5 Bio. Dollar unter Management stehen. Großbritannien (Channel Islands) und die USA (Cayman, Virgin Islands) folgen als Geldzentren der Welt. Danach kommen die - mehr oder weniger - sicheren Steueroasen Liechtenstein, Monaco, Andorra, Liberia, Marshall Islands, Nauru und Vanuatu. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 17.5.2002)