Wien - Alligatoren und höchstwahrscheinlich auch alle anderen Mitlgieder der Krokodil-Familie können mit ihren Kiefern nicht nur kräftig zubeißen, sondern auch in völliger Dunkelheit mögliche Beute orten. Wie Sheila Palmer und Charles Driscoll von der Syracuse University in New York in der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature" ausführen, haben die großen Echsen am Kiefer spezielle Sinnesorgane, die feinste Wellen an der Wasseroberfläche aufspüren.Bekannt, doch bisher nicht verstanden Die Sensoren sind im ganzen Gesicht der untersuchten Alligatoren (Alligator mississippiensis) verteilt. Es sind kleine, dunkel pigmentierte Kuppeln, die auch mit freiem Auge deutlich zu sehen sind. Die Strukturen werden unter anderm dazu verwendet, um verschiedene Familien in der Systematik der Krokodile zu unterscheiden, ihre Funktion war bisher unbekannt. Im Detail sind die eigentlichen Kuppeln rund, ohne jegliche Poren oder Sinneshaare, nur die darunter liegende Haut ist wesentlich dünner. Unterhalb der Sinnesorgane finden sich dichtverzweigte Nerven. In ersten Versuchen zeigte sich, dass sich die Alligatoren auch bei völliger Dunkelheit in jene Richtung orientierten, in die Wassertropfen fielen. Das Ganze funktionierte auch, ohne dass die Tiere die fallenden Tropfen hören konnten. Bedingung für die Hinwendung war allerdings, dass die Köpfe der Krokodile gerade halb im Wasser ruhten und nicht entweder völlig untergetaucht oder an der Luft waren. Das Verhalten verschwand auch, wenn die Wissenschafter die Kuppel-Sinnesorgane mit Plastik abdeckten. Alte Sinnesorgane Weitere Forschungen an Fossilien ergaben, dass die Drucksensoren aus evolutionärer Sicht offenbar sehr alt sind, sie finden sich schon bei Exemplaren aus der Jurazeit. Die Sinnesorgane finden sich bei allen lebenden Krokodil-Arten. (APA)