Düsseldorf - In der EU bahnt sich nach einem Pressebericht ein offener Machtkampf um die künftige politische Aufgabenverteilung an. EU-Kommissionschef Romano Prodi will die Außen- und die Wirtschaftspolitik mittelfristig in Brüssel zentralisieren, berichtet das "Handelsblatt" vorab aus seiner Freitagausgabe. Das gehe aus Prodis Forderungskatalog für den EU-Reformkonvent hervor. Den Plänen zufolge solle künftig der Vizepräsident der EU-Kommission die Rolle des hohen außenpolitischen Repräsentanten der EU übernehmen. Den Kandidaten für das Amt sollten EU-Regierungschefs und Kommissionspräsident gemeinsam benennen. Damit erhielte der außenpolitische Repräsentant der EU eine "doppelte Legitimation" von Kommission und Mitgliedstaaten, habe es in EU-Kommissionskreisen geheißen. Widerstand gegen Prodis Vorhaben komme vor allem aus Großbritannien: "Die Zeit ist dafür noch nicht reif. Wir müssen Prodis Vorschlag umformulieren", hieß es dem Bericht zufolge in der Umgebung des britischen EU-Kommissars Patten. Nach dem Willen der Londoner Regierung sollen die EU-Staats- und -Regierungschefs ihren außenpolitischen Repräsentanten alleine, also ohne Mitsprache der EU-Kommission, wählen. Die EU-Kommission will ihre Forderungen an den EU-Reformkonvent am Mittwoch beschließen. Der Konvent wurde von den 15 Mitgliedsstaaten eingesetzt, um vor der nächsten Regierungskonferenz im Jahr 2004 Vorschläge zu einer Reform der EU-Gründungsverträge auszuarbeiten. Solcherart soll die Union transparenter, effizienter und bürgernäher gestaltet werden. Dem Konvent gehören 105 Mitglieder an, die Mehrzahl davon sind nationale und Europaparlamentarier. (APA)