Dornbirn/Turin - "Aus der einfachsten Behausung Architektur machen" möchte Oskar Leo Kaufmann mit seinem "Kartonhaus". Mit der Wohnschachtel will der junge Dornbirner Architekt zudem einen "Beitrag zur Lösung der aktuellen Armutsprobleme leisten". Die Idee: "Sponsoren tragen die Produktion des Kartonhauses und ermöglichen so die freie Ausgabe an Obdachlose." Die Kartonhäuser könnten dann "zwei, drei Tage als Überbrückung dienen".2 x 1 x 1,75 Meter Die faltbare Behausung (Außenmaße: 2 x 1 x 1,75 Meter) ist Kaufmanns Beitrag zur "Big Torino 2002", der Biennale für junge Kunst in Turin (bis 19. Mai). Michelangelo Pistoletto, Protagonist der Arte Povera und künstlerischer Leiter der Biennale, hat junge Kunstschaffende aus aller Welt zum "Big social game" eingeladen. Mit dem großen Gesellschaftsspiel werden künstlerische Vorschläge zur spielerischen Veränderung der Gesellschaft präsentiert. Oskar Leo Kaufmanns Kartonhäuser - 300 wurden, gesponsert vom Hotel Post in Bezau, eigens für Turin produziert - sind Kunst zum Anfassen und Mitnehmen. Für 30 Euro das Stück werden sie zugunsten einer italienischen Obdachloseneinrichtung verkauft. "Viele wurden aber einfach gestohlen, ein paar davon von Obdachlosen", erzählt Kaufmann. Einige haben die Beutestücke auch gleich in Turins Innenstadt auf ihre Wohntauglichkeit getestet und die Spielregeln der wirklichen Gesellschaft erlebt. Kaufmann: "Die Polizei hat die Leute vertrieben." (jub, DER STANDARD Print-Ausgabe 17.Mai 2002)