Ramallah - Unter dem wachsenden Reformdruck der palästinensischen Öffentlichkeit haben 22 Minister der Regierung von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat am Samstagabend ihren Rücktritt angeboten. Arafat habe sie gebeten, ihre Arbeit bis zur Bildung einer neuen Regierung in spätestens 45 Tagen weiterzuführen, hieß es in Ramallah. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Die Minster hätten ihr Rücktrittsangebot dem Palästinenser-Präsidenten schriftlich vorgelegt, hieß es. Arafat hat für Sonntag eine Sitzung des palästinensischen Wahlausschusses einberufen. Das palästinensische Parlament hatte sich am Freitagabend für eine rasche Regierungs-Neubildung ausgesprochen. Eine Regierung mit bis zu 19 Ministern solle innerhalb von 45 Tagen gebildet werden, erklärte der palästinensische Legislativrat. Arafat hatte am Mittwoch umfassende Reformen und Neuwahlen angekündigt, jedoch den Abzug der israelischen Armee aus den Autonomiegebieten zur Bedingung dafür gemacht. Erekat: Ganzes Kabinett zum Rücktritt bereit Nach Angaben des plaästinensischen Ministers und Chefunterhändlers Saeb Erekat sind sogar alle Kabinettsmitglieder zu dem Schritt bereit. Nicht nur die 22 wollten die Entscheidung über ihren Posten Arafat überlassen, sagte Erakat dem katarischen Fernsehsender "El Jazeera". Es handle sich um einen "normalen Schritt" nach Arafats Ankündigung von Reformen. Kabinettminister Hassan Asfur sagte in Ramallah: "Wir legen unser Schicksal in die Hände des Präsidenten." Die Entscheidung über ihren Verbleib im Amt liege bei Präsident Arafat. Das palästinensische Parlament hatte am Donnerstag eine Liste mit Reformforderungen zusammengestellt, darunter die Auflösung des Kabinetts. Arafat solle innerhalb von 45 Tagen ein neues Kabinett zur Zustimmung vorstellen. Der palästinensische Präsident hat auf diese Forderung bisher nicht reagiert. Andere Forderungen sind Parlaments- und Präsidentenwahlen bis Anfang kommenden Jahres. Arafat hat dazu erklärt, er unterstütze Wahlen innerhalb eines halben Jahres unter der Voraussetzung, das Israel sich aus den Autonomiegebieten vollständig zurückgezogen habe. (APA/dpa)